Den Moment genießen

Ihre Stimme ist so wie das Wasser in jenem Land, aus dem sie stammt: bergseeklar. Das prädestiniert die Schweizer Sopranistin Regula Mühlemann jedoch nicht nur für Rollen in Werken des Barock und der Klassik, es ist auch im französischen romantischen Fach von einigem Vorteil. Ein Gespräch über den Kontinent Mozart, Ehrlichkeit vor und hinter der Bühne, das Auratische am Blues und die Frage, was man von Kindern lernen kann

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Frau Mühlemann, in der Wiederauflage der legendären «Entführungs»-Inszenierung von Hans Neuenfels an der Wiener Staatsoper geben Sie die Blonde als ziemlich kecke Britin. Was haben Engländerinnen, was Schweizerinnen nicht haben?
Das frage ich mich auch (lacht). In dieser Inszenierung, aber auch schon in der Anlage der Figur, ist Blonde sehr zickig. Es macht natürlich Spaß, da bin ich ehrlich, Osmin mit der Peitsche durch die Gegend zu hetzen, aber mit mir hat das nicht wirklich etwas zu tun.

Blonde ist eine selbstwusste, starke Frau: Lieben Sie es, solche Frauen zu spielen, weil sie selbst eine sind? Oder lieben Sie es, weil Sie in der jeweiligen Rolle stärker sein dürfen als sie es vielleicht selber sind?
Ich würde mich selbst schon als ziemlich stark bezeichnen. Und ich genieße es, in der Oper Rollen zu übernehmen, wo das auch der Fall ist. Oft genug sind Frauen im Opernlibretto in der Opferrolle, oder sie sind zwar stark, können aber nichts bewirken, weil sie durch gesellschaftliche Normen so sehr eingeschränkt sind, dass die Stärke ihnen nichts bringt. Gerade was das angeht, ist Mozarts «Entführung» unglaublich modern; es gibt nicht viele Opern, wo man als Frau ähnlich viel zu ...

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Opernwelt Februar 2021
Rubrik: Interview, Seite 34
von Jürgen Otten

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