Ein bisschen problematisch

Musiktheater für 50 Menschen: «Simon Boccanegra» am Opernhaus Zürich

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An der Tür des Zürcher Opernhauses steht, dieses sei «bis auf Weiteres geschlossen», was an diesem Abend nicht ganz richtig ist: 50 Menschen dürfen hinein, um live Zeugen der Premiere von Verdis «Simon Boccanegra» zu werden. Später werden sie sagen können, ja, das, was im Netz zu sehen ist, hat tatsächlich stattgefunden, in diesem kalten Dezember, in dem die Theater und Opernhäuser verrammelt sind.

Dabei hatte die Oper Zürich eine tolle Idee, wie man in diesen pandemischen Zeiten weiterspielen könne, was anfangs auch wundervoll aufging: Wenn im Graben nicht genug Platz ist, um den Abstand zwischen den Musikern sicherzustellen, dann spielt die Philharmonia Zürich halt dort, wo sie sonst probt, der Chor passt auch mit hinein in den Probensaal, und alles, was dort geschieht, wandert ohne Zeitverlust durch ein Glasfaserkabel und eine Strecke von einem Kilometer Länge ins Opernhaus. Dort tönen Chor und Orchester aus einer ausgefinkelten Soundanlage, auf der Bühne stehen nur die Solisten sowie ein paar Statisten mit Maske als szenische Garnitur. Bei «Boris Godunow» im September (mit 900 Zuschauern) funktionierte das bemerkenswert gut. Nun, beim «Simon Boccanegra», war’s ein bisschen ...

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Opernwelt Februar 2021
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Egbert Tholl

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