Ein bisschen problematisch
An der Tür des Zürcher Opernhauses steht, dieses sei «bis auf Weiteres geschlossen», was an diesem Abend nicht ganz richtig ist: 50 Menschen dürfen hinein, um live Zeugen der Premiere von Verdis «Simon Boccanegra» zu werden. Später werden sie sagen können, ja, das, was im Netz zu sehen ist, hat tatsächlich stattgefunden, in diesem kalten Dezember, in dem die Theater und Opernhäuser verrammelt sind.
Dabei hatte die Oper Zürich eine tolle Idee, wie man in diesen pandemischen Zeiten weiterspielen könne, was anfangs auch wundervoll aufging: Wenn im Graben nicht genug Platz ist, um den Abstand zwischen den Musikern sicherzustellen, dann spielt die Philharmonia Zürich halt dort, wo sie sonst probt, der Chor passt auch mit hinein in den Probensaal, und alles, was dort geschieht, wandert ohne Zeitverlust durch ein Glasfaserkabel und eine Strecke von einem Kilometer Länge ins Opernhaus. Dort tönen Chor und Orchester aus einer ausgefinkelten Soundanlage, auf der Bühne stehen nur die Solisten sowie ein paar Statisten mit Maske als szenische Garnitur. Bei «Boris Godunow» im September (mit 900 Zuschauern) funktionierte das bemerkenswert gut. Nun, beim «Simon Boccanegra», war’s ein bisschen ...
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Opernwelt Februar 2021
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Egbert Tholl
Ach, was war das für eine Szene: herrlich! Lang ist’s her, aber unvergessen. Ein Abend im Vorfrühling 1994, die Premiere von Brechts Lehrstück «Der gute Mensch von Sezuan» an der Berliner Volksbühne. Als der Vorhang hochging, sahen wir da nur ein einsames, auf einer Stange drapiertes Mikrofon. Und dann, eine gefühlte Ewigkeit später, stand die Schauspielerin...
Gedacht waren die drei Gedichte als Trost. Als Hinweis an den Freund, hier habe doch ein Mensch vor knapp 400 Jahren das in Worte gefasst, was Wolfgang Rihm, den schwer Erkrankten, gerade bewegte. Mag bei Bariton Georg Nigl keine Absicht dahinter gesteckt haben, doch wer einem Komponisten Texte schickt, muss mit Vertonung rechnen. In diesem Fall wurde es ein...
Ist’s Wirklichkeit? Ein Traum? Irgendwo in der Ferne flattert ein Vogel über die Tasten eines Flügels, unaufgeregt, leise, wie beiläufig. An seiner Seite ein Jüngling, lockenbekränzt. Und zu diesem Paar, tritt, wie aus dem Nichts, diese suggestive Frauenstimme hinzu, schwärmerisch fließend, fragil, und überzieht das asketische Klangfeld mit einem Fluidum, dessen...
