Spiel der Erinnerung

Rimski-Korsakow: Schneeflöckchen am Staatstheater Wiesbaden

Opernwelt - Logo

Auf der Bühne herrscht Eiszeit. Schneebedeckte Hügel, soweit das Auge reicht. Eine frostige, lebensfeindliche Landschaft. Blumen gedeihen hier nur im gläsernen Gewächshaus. Als würde man durch ein Fenster ins Unend -liche blicken zeigen Videoprojektionen bedrohliche Wolkenaufwallungen. Regisseur Maxim Didenko und sein Team versetzen Rimski-Korsakows selten gespielte Märchenoper «Schneeflöckchen» in ein dystopisches Zeitalter jenseits des Klimakipppunktes. Der Golfstrom ist kollabiert, in weiten Teilen der Welt ist eine extreme Kälteperiode angebrochen.

Die stark dezimierte Menschheit befindet sich im täglichen Überlebenskampf. Forscher ringen im Labor um die Rettung der letzten verbliebenen Pflanzen, die Mehrheit der Menschen aber ist zu archaischen Ritualen zurückgekehrt.

Die Mächtigen haben nach wie vor ihre Privilegien: Der Zar regiert in einem unterirdischen Schutzraum, der vom einzigen Reaktor gewärmt wird. Ein riesiger Schornstein ragt aus der Eiskruste. Hinab ins Warme geht es im Aufzug, flankiert von schwerbewaffneten Leibwächtern. Zusammen mit der Bühnen- und Kostümbildnerin Galya Solodovnikova und dem Videokünstler Oleg Mikhailov erzählt der Regisseur die auf dem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2026
Rubrik: Panorama, Seite 64
von Silvia Adler

Weitere Beiträge
Personalien und Meldungen 3/26

JUBILARE
Am 26. März feiert Erich Urbanner seinen 90. Geburtstag. Der in Innsbruck geborene Komponist erhielt seinen ersten Musik -unterricht bei seinem Vater, der Schullehrer, Organist und Leiter eines Kirchenchores war. Von 1955 bis 1961 studierte Urbanner in Wien Komposition, Klavier und Dirigieren bei Hans Swarowsky. Bei den Darmstädter Ferienkursen für Neue...

Licht statt Mystik

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute: deutsche Märchenopern. Beinahe könnte man diese Gattung für unsterblich halten. Sie feierte Hochkonjunktur in den Zeiten der Romantik, erlebte um 1900 eine neue Blütezeit, trat philosophisch ertüchtigt noch einmal mit Strauss’ «Frau ohne Schatten» und mit Respighis «La Campana sommersa» nach Gerhart...

Ihr Wesen ist Flexibilität

Oscar Bie sah in der Oper das «unmögliche Kunstwerk», Alexander Kluge das «Kraftwerk der Gefühle». Für Reinhard Strohm dagegen ist Mobilität und Bewegung das Wesen der Oper – in der mäandernden Entwicklung der Gattung, in der Wanderung ihrer Sujets und Formen, nicht zuletzt in der Internationalisierung ihrer Produktion wie in den Lebenswegen ihrer Darsteller. Dabei...