Spiel der Erinnerung
Auf der Bühne herrscht Eiszeit. Schneebedeckte Hügel, soweit das Auge reicht. Eine frostige, lebensfeindliche Landschaft. Blumen gedeihen hier nur im gläsernen Gewächshaus. Als würde man durch ein Fenster ins Unend -liche blicken zeigen Videoprojektionen bedrohliche Wolkenaufwallungen. Regisseur Maxim Didenko und sein Team versetzen Rimski-Korsakows selten gespielte Märchenoper «Schneeflöckchen» in ein dystopisches Zeitalter jenseits des Klimakipppunktes. Der Golfstrom ist kollabiert, in weiten Teilen der Welt ist eine extreme Kälteperiode angebrochen.
Die stark dezimierte Menschheit befindet sich im täglichen Überlebenskampf. Forscher ringen im Labor um die Rettung der letzten verbliebenen Pflanzen, die Mehrheit der Menschen aber ist zu archaischen Ritualen zurückgekehrt.
Die Mächtigen haben nach wie vor ihre Privilegien: Der Zar regiert in einem unterirdischen Schutzraum, der vom einzigen Reaktor gewärmt wird. Ein riesiger Schornstein ragt aus der Eiskruste. Hinab ins Warme geht es im Aufzug, flankiert von schwerbewaffneten Leibwächtern. Zusammen mit der Bühnen- und Kostümbildnerin Galya Solodovnikova und dem Videokünstler Oleg Mikhailov erzählt der Regisseur die auf dem ...
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Opernwelt März 2026
Rubrik: Panorama, Seite 64
von Silvia Adler
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute: deutsche Märchenopern. Beinahe könnte man diese Gattung für unsterblich halten. Sie feierte Hochkonjunktur in den Zeiten der Romantik, erlebte um 1900 eine neue Blütezeit, trat philosophisch ertüchtigt noch einmal mit Strauss’ «Frau ohne Schatten» und mit Respighis «La Campana sommersa» nach Gerhart...
Frau Denoke, in drei Stunden hebt sich hier in Mainz der Vorhang zur Premiere von Korngolds «Toter Stadt». Wo wären Sie dann am liebsten: auf der Bühne, hinter den Kulissen oder ganz weit weg?
(lacht) Das ist schwer zu sagen. Auf der Bühne definitiv nicht. Ich habe dort zwei großartige Protagonisten, es ist ihr Abend und nicht meiner. Hinter der Bühne wäre ich...
Was kommt
Kunst der Tiefe
Spektakulär sind seine Regie -arbeiten nur selten. Dafür aber immer höchst präzise und dem vorliegenden Werk würdevoll verpflichtet. Ingo Kerkhof zählt damit zu den interessantesten Vertretern seiner Zunft. Nur eben nicht zu den lautesten. Ein nachdenklicher Mann, dem die Welt nicht zu Füßen liegt, der sie aber gerade deswegen umso...
