Adam: Le Toréador
Von Adolphe Adams über siebzig Opern und Balletten sind nur die unsterbliche «Giselle» und der Tenor-Hit des «Postillons von Lonjumeau» der Furie des Vergessens entgangen. Jetzt hat Bielefeld den «Toréador» ausgegraben, eine 1849 uraufgeführte und in Deutschland anscheinend noch nie gespielte Opéra comique. Die Handlung bedient sich des Schemas der erotischen Dreieckskomödie – hier der in Unehren ergraute Ex-Torero Belflor, der jedem Rock in Sichtweite nachstellt und darum seine Frau Coraline einsperrt, die ihrerseits ihrem ehemaligen Verehrer Tracolin nachtrauert.
Nach mancherlei Verwicklungen, in denen ein Brief Coralines an ihren Liebhaber und dessen Flöte – Tracolin ist davongelaufener Theaterflötist – entscheidend mitmischen, mündet das possenhafte Spiel in «die perfekte Harmonie» (so der ursprüngliche Untertitel) einer einverständigen Ménage à trois. Adam hat das Ganze mit mal sentimentaler, mal süffiger, stets aber melodiös leichtfüßiger Musik untermischt, in der die italienische Buffa Rossinis nach- und die Bouffe Offenbachs vorausklingt. Dass sie nicht mehr die Frenesie Rossinis und noch nicht die Frechheit Offenbachs besitzt, tut der Musik keinen Abbruch. Höhepunkt ist ...
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