Sekunden(alp)traum
Es händelt stark an der Rheinschiene: Der wunderbare «Saul» in der Regie Dietrich Hilsdorfs war gerade wieder in Bonn zu sehen, Bonn und Wiesbaden bringen in Kürze «Julius Cäsar» auf die Bühne – und Koblenz steuert eine szenische Version der «Susanna» bei. Kaum je wird das Oratorium von 1749 im Konzert aufgeführt, noch seltener ist es in szenischen Umsetzungen zu erleben. Dabei funktioniert auch dieses Werk recht gut auf der Bühne.
Hans Hoffer (Regie und Bühne) erzählt die Geschichte der Susanna, die im Bade von zwei ehrwürdigen Richtern beinahe geschändet, dann von ihnen zu Unrecht verleumdet und schließlich durch den Propheten Daniel errettet wird, mit einer Uhrenmetapher: Die runde Spielfläche wird qua einer die Drehbühne durchtrennenden Mauer zum übergroßen Zeitmesser und erlaubt geschickte Umbauten und Auftritte des Chores. Ein eigentlich geschicktes Bühnenbild, das die laut quietschende Koblenzer Technik freilich beschämend konterkariert.
Hoffers Regie nimmt die Oratorienhandlung ernst. Seine Grundfrage: Warum verlässt Bräutigam Joachim die frisch angetraute Susanna gleich nach der Hochzeit? In einer Art Traumsequenz versucht Susanna, sich das Leben zu nehmen. Zuletzt wartet ...
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