Sekunden(alp)traum
Es händelt stark an der Rheinschiene: Der wunderbare «Saul» in der Regie Dietrich Hilsdorfs war gerade wieder in Bonn zu sehen, Bonn und Wiesbaden bringen in Kürze «Julius Cäsar» auf die Bühne – und Koblenz steuert eine szenische Version der «Susanna» bei. Kaum je wird das Oratorium von 1749 im Konzert aufgeführt, noch seltener ist es in szenischen Umsetzungen zu erleben. Dabei funktioniert auch dieses Werk recht gut auf der Bühne.
Hans Hoffer (Regie und Bühne) erzählt die Geschichte der Susanna, die im Bade von zwei ehrwürdigen Richtern beinahe geschändet, dann von ihnen zu Unrecht verleumdet und schließlich durch den Propheten Daniel errettet wird, mit einer Uhrenmetapher: Die runde Spielfläche wird qua einer die Drehbühne durchtrennenden Mauer zum übergroßen Zeitmesser und erlaubt geschickte Umbauten und Auftritte des Chores. Ein eigentlich geschicktes Bühnenbild, das die laut quietschende Koblenzer Technik freilich beschämend konterkariert.
Hoffers Regie nimmt die Oratorienhandlung ernst. Seine Grundfrage: Warum verlässt Bräutigam Joachim die frisch angetraute Susanna gleich nach der Hochzeit? In einer Art Traumsequenz versucht Susanna, sich das Leben zu nehmen. Zuletzt wartet ...
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Stephan Braunfels ist von Haus aus Architekt, aus Leidenschaft Opernfan und von daher in Ausnahmefällen auch als Bühnenbildner aktiv. Sein Standpunkt: Nikolaus Lehnhoff ist unter allen lebenden Regisseuren der am klarsten Strukturierte. Einer, bei dem alles auf den Punkt gebracht wird und jede Bewegung logisch ist. Einer, der nichts dem Zufall überlässt oder einer...
Sympathie voraus. Das war stets die Devise, von Band zu Band. Kaum ein Musikschriftsteller, kaum ein groß angelegtes Werk, dem die uneingeschränkte Hochachtung von Station zu Station von vornherein so sicher gewesen wäre wie Ulrich Schreiber und seinem «Opernführer für Fortgeschrittene». Und das schon, aber keineswegs nur wegen der nachgerade gigantischen...
Packendes italienisches Musiktheater in Deutschlands nördlichstem Opernhaus: In Flensburg stellte Jan-Richard Kehl, neuer Operndirektor des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters, eine bemerkenswerte «Tosca» auf die Bühne, in der ungeschönt das enorme Aggressionspotenzial des Stücks freigelegt wurde. Ein Psychodrama der Brutalität und der sexuellen...
