Sekunden(alp)traum
Es händelt stark an der Rheinschiene: Der wunderbare «Saul» in der Regie Dietrich Hilsdorfs war gerade wieder in Bonn zu sehen, Bonn und Wiesbaden bringen in Kürze «Julius Cäsar» auf die Bühne – und Koblenz steuert eine szenische Version der «Susanna» bei. Kaum je wird das Oratorium von 1749 im Konzert aufgeführt, noch seltener ist es in szenischen Umsetzungen zu erleben. Dabei funktioniert auch dieses Werk recht gut auf der Bühne.
Hans Hoffer (Regie und Bühne) erzählt die Geschichte der Susanna, die im Bade von zwei ehrwürdigen Richtern beinahe geschändet, dann von ihnen zu Unrecht verleumdet und schließlich durch den Propheten Daniel errettet wird, mit einer Uhrenmetapher: Die runde Spielfläche wird qua einer die Drehbühne durchtrennenden Mauer zum übergroßen Zeitmesser und erlaubt geschickte Umbauten und Auftritte des Chores. Ein eigentlich geschicktes Bühnenbild, das die laut quietschende Koblenzer Technik freilich beschämend konterkariert.
Hoffers Regie nimmt die Oratorienhandlung ernst. Seine Grundfrage: Warum verlässt Bräutigam Joachim die frisch angetraute Susanna gleich nach der Hochzeit? In einer Art Traumsequenz versucht Susanna, sich das Leben zu nehmen. Zuletzt wartet ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Francis Poulencs 1957 uraufgeführte Oper «Dialogues des Carmélites» schien damals ihres religiösen Sujets wie ihrer weitgehend tonalen Musik wegen aus der zeitgenössischen Entwicklung herauszufallen. Inzwischen hat sich das Stück als eigenständiges Ausnahmewerk in der Nachfolge von Debussys «Pelléas» erwiesen: traumatisierende Musikalisierung eines scheinbar...
Stephan Braunfels ist von Haus aus Architekt, aus Leidenschaft Opernfan und von daher in Ausnahmefällen auch als Bühnenbildner aktiv. Sein Standpunkt: Nikolaus Lehnhoff ist unter allen lebenden Regisseuren der am klarsten Strukturierte. Einer, bei dem alles auf den Punkt gebracht wird und jede Bewegung logisch ist. Einer, der nichts dem Zufall überlässt oder einer...
Hans-Peter Jahn, Künstlerischer Leiter des Stuttgarter Eclat-Festivals für Neue Musik, ist in den vergangenen Jahren zunehmend von der großen Rätselfrage Musiktheater fasziniert: Wie könnte die Musikbühne jenseits von Literaturoper, Narration und Guckkasten beschaffen sein? In Stuttgart hat Klaus Zehelein mit dem Forum für Neues Musiktheater stets auf der...
