Sekunden(alp)traum
Es händelt stark an der Rheinschiene: Der wunderbare «Saul» in der Regie Dietrich Hilsdorfs war gerade wieder in Bonn zu sehen, Bonn und Wiesbaden bringen in Kürze «Julius Cäsar» auf die Bühne – und Koblenz steuert eine szenische Version der «Susanna» bei. Kaum je wird das Oratorium von 1749 im Konzert aufgeführt, noch seltener ist es in szenischen Umsetzungen zu erleben. Dabei funktioniert auch dieses Werk recht gut auf der Bühne.
Hans Hoffer (Regie und Bühne) erzählt die Geschichte der Susanna, die im Bade von zwei ehrwürdigen Richtern beinahe geschändet, dann von ihnen zu Unrecht verleumdet und schließlich durch den Propheten Daniel errettet wird, mit einer Uhrenmetapher: Die runde Spielfläche wird qua einer die Drehbühne durchtrennenden Mauer zum übergroßen Zeitmesser und erlaubt geschickte Umbauten und Auftritte des Chores. Ein eigentlich geschicktes Bühnenbild, das die laut quietschende Koblenzer Technik freilich beschämend konterkariert.
Hoffers Regie nimmt die Oratorienhandlung ernst. Seine Grundfrage: Warum verlässt Bräutigam Joachim die frisch angetraute Susanna gleich nach der Hochzeit? In einer Art Traumsequenz versucht Susanna, sich das Leben zu nehmen. Zuletzt wartet ...
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Trotz des aufgebotenen Riesenorchesters ist die «Elektra» von Hofmannsthal und Strauss ein psychologisches Kammerspiel, dessen feine Nuancen nach dem aufmerksamen Kamera-Auge verlangen. Vier beinahe zeitgleich veröffentlichte DVD-Mitschnitte von Produktionen aus einem Vierteljahrhundert ziehen unsere Aufmerksamkeit auf dramatische und darstellerische Details, die...
Es sei ein Zeichen von geistesgeschichtlichem Instinkt, dass Kritiker zur Eitelkeit neigen, befand Joachim Kaiser im einleitenden Essay zu seinem «Kleinen Theatertagebuch» (1965). Denn dadurch verrieten sie, dass sie alle Sicherheiten des Urteils vorspielen müssten. Dies scheint sich vor allem dann zu bestätigen, wenn in ein und derselben Sache die Meinungen...
Skandale lassen sich nicht reproduzieren. Das hatte Joachim Herz wohl auch nicht im Sinn, als er 1977 bei seiner Berliner Inszenierung von Brecht/Weills «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» an der Komischen Oper einen «Mann, der damals schon dabei war» in das Personal einschleuste. Man kann in dieser Maßnahme einen nostalgischen «Blick zurück» sehen, kann sie...
