Sozialstudien

Puccini: Il trittico am Nationaltheater Weimar

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Nicht nur stoische Menschen wissen es: Wer sich in Geduld fasst, erträgt die Zumutungen des Lebens umso leichter. Regisseur Dirk Schmeding lässt die Figuren in Puccinis «Il trittico» daher allesamt geduldig warten. Dazu setzt er sie zu Beginn in einen Glaskasten, ein schmuckloser Warteraum mit Wasserspender. Im ersten Teil darf darin sogar geraucht werden, im zweiten wandelt sich der Kasten zum Inneren eines Frauenklosters, und zuletzt ragt der Dom von Florenz hinter ihm auf.

In Schmedings Inszenierung am Deutschen Nationaltheater Weimar schafft er nicht nur eine sichtbare Verbindung zwischen den drei in Charakter und Sujet stark kontrastierenden Einaktern (Bühne: Ralf Käselau). Praktischerweise transportieren die Hafenarbeiter aus «Il tabarro» bereits die Requisiten für die beiden darauffolgenden Stücke: Möbel, Krempel und eine große Marienstatue.

Die Sozialstudie aus dem Arbeitermilieu ist dabei die am stringentesten erzählte Geschichte des Abends, weil sie ohne viel Federlesens auf die zwischenmenschliche Katastrophe zusteuert. Nur die Projektion einer Paris-Postkarte deutet an, dass sich die Eifersuchtstragödie am Ufer der Seine abspielt – so, wie es Puccini vorsieht: Der ...

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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Werner Kopfmüller

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