Kammerspiel
Die Artikulation funktioniert anfangs nicht. Noch sind es nur Vokalisen in hoher Lage – wie es eben so klingt, wenn man Jahrhunderte lang in einem arktischen Eisblock eingefroren war. Und auch später, mit wiedergewonnener Sprache, wird sich Ice, so nennt sich die aufgetaute Frau, meist oberhalb des Notensystems bewegen. Es ist ein Fang der geheimnisvollen Art, den diese Arktisexpedition um den Milliönär Harry King gemacht hat. Und er wird ihr Leben verändern – Todesfolgen inklusive.
Das Schiff dieser Expedition steckt im Packeis fest.
So groß die Weite der Landschaft in diesen Breiten auch ist, so sehr ist «Anthropocene» doch ein Kammerspiel, das unterschiedliche Menschentypen auf ausweglosem Raum zusammenpfercht. Unter der Besatzung kommt es zum Konflikt: Ist die prähistorische Frau wichtiger? Oder die Story, so denkt der mitreisende Journalist Miles, dass hier ein Promi wie King nicht mehr weiterkommt? Die Grundkonstellation von «Anthropocene» ist also nicht neu. «Alien» folgt diesem Prinzip. Das fremde Wesen, ob Monster, Außerirdischer wie E. T. oder hier Ice, wird zum Spiegel der Menschen, die ihre Situation reflektieren – und im besten, seltenen Fall verstehen.
Der ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Panorama, Seite 58
von Markus Thiel
Opern, in denen eine Autohupe und eine Sirene als Instrumente zum Einsatz kommen, haben höchsten Seltenheitswert. Kirchenglocken als Übernahme eines akustischen Alltagsphänomens in die Sphäre der Kunstmusik waren zur Uraufführung von «Il trittico» anno 1918 an der New Yorker Metropolitan Opera allerdings schon etabliert: In Mascagnis «Cavalleria rusticana» sind sie...
Die Flüge nach Rio, Caracas, sogar nach Salzburg? Alle gecancelt. Und die Stimmung im Terminal? Bestens. Was weniger an den Gutscheinen für die Bar liegt, sondern am Zeitvertreib während der Wartezeit. Zwei Männer spielen Fußball, die Melodien von Ferrando und Guglielmo auf den Lippen. Eine mondäne Frau betrauert mit «Porgi amor» ihre Beziehung, zum ersten...
Die Geschichte spielt in vorchristlicher Zeit, und sie ist so abenteuerlich, so absurd, dass man heftig das Haupt schütteln müsste, wüsste man nicht um den Erfindungsreichtum jenes Mannes, der sie niederschrieb: Pietro Metastasio bewies auch mit «Alessandro nell’Indie» auf Racines Tragédie «Alexandre le Grand» aus dem Jahr 1665 (die wiederum ihre frühen Quellen bei...
