Innere Horizonte
Im Unterschied zu Hector Berlioz und Claude Debussy ist Gabriel Fauré, der dritte große Komponist Frankreichs im 19. Jahrhundert, hierzulande nie wirklich angekommen. Umso mehr ist es zu begrüßen, dass der französische Bariton Stéphane Degout im Fauré-Jahr 2024 fünf seiner bedeutendsten Liedzyklen in einer glänzenden Neuaufnahme vorlegt. Man muss bis zum jungen Gérard Souzay der frühen 1950er-Jahre zurückgehen, um auf vergleichbar inspirierte, geradezu vollkommene Interpretationen zu stoßen.
Wort und Ton sind bei Fauré eine Einheit, die melodische Linie und die Prosodie des Textes verschmelzen zu einem Ganzen. Nicht zuletzt war er es, der trotz Berlioz’ «Les Nuits d’été» und der Pionierleistung Henri Duparcs die konventionellen Salonromanzen überwand und damit die mélodie, das französische Kunstlied, recht eigentlich begründete. Die entscheidende literarische Inspiration erhielt er dabei von Paul Verlaine, der mit der sprachlichen Musikalität seiner vom traditionellen Verszwang befreiten Gedichte einen Neubeginn der französischen Lyrik einleitete.
Die neun Verlaine-Texte, die Fauré zwischen 1892 und 1894 aus dessen Sammlung «La Bonne Chanson» vertonte und die strukturell wie ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 35
von Uwe Schweikert
Möchten Sie beichten?» Im Foyer des Mecklenburgischen Staatstheaters sammelt eine stark geschminkte Nonne in einer großen Wahlurne sündige Geständnisse der Zuschauenden. Gleichzeitig werden «heiliges Gleitgel» und andere frivole Kleinigkeiten als geistlicher Kommerz verkauft. Man ahnt es schon: Die Erlösung von der prüden Sexualmoral der katholischen Kirche gibt es...
Warum spuckst du mich an?», fragt Richard die aufgebrachte Anne, die Witwe des Prinzen Edward, den er auf dem Gewissen hat. Von ihrem Speichel getroffen, hat sich zuerst der Tänzer Richard zusammen -gekrümmt, der dessen Körper darstellt. Dann der Sänger, der wohl seine Seele verkörpert. Und zuletzt reagiert eben der Schauspieler, das Sprachrohr seines Intellekts....
Nicht nur stoische Menschen wissen es: Wer sich in Geduld fasst, erträgt die Zumutungen des Lebens umso leichter. Regisseur Dirk Schmeding lässt die Figuren in Puccinis «Il trittico» daher allesamt geduldig warten. Dazu setzt er sie zu Beginn in einen Glaskasten, ein schmuckloser Warteraum mit Wasserspender. Im ersten Teil darf darin sogar geraucht werden, im...
