Social-Mediadrama
Es gibt viele Zugänge und Interpretationsmöglichkeiten zu Oscar Wildes Roman «Das Bildnis des Dorian Gray», und die nun in Poznań uraufgeführte Oper der 82-jährigen polnischen Komponistin Elżbieta Sikora auf ein Libretto des Regisseurs David Pountney ist auch nicht die einzige Dorian-Gray-Oper, ganz zu schweigen von den vielen Balletten, Theaterfassungen, Filmen und Musicals.
Pountney hat ein Stück in englischer Sprache über den Fluch von Social Media gemacht.
Der mephistophelische Lord Henry, bei Wilde eine zentrale Figur, fehlt in der Oper ganz, ebenso die wichtige Anspielung auf den Narziss-Mythos des nicht alternden Titelhelden. Vielmehr ist dieser ein Opfer von Basil, der hier nicht Maler, sondern Photograph ist, unerlaubterweise Bilder von Dorian ins Netz stellt und damit einen viralen Hype von zunächst ungezügelter Bewunderung entfacht. Später wird daraus ein Shitstorm. Dieser Dorian Gray ist in der Oper, anders als bei Oscar Wilde, keiner, der von faustischer Hybris ergriffen ist, sondern ein Mensch mit Empathie, den Basils Skrupellosigkeit, als er die Leichen eines Drohnenangriffs in einem zur Sozialstation umgebauten Kino filmt («Beauty is everywhere»), so bestürzt, dass ...
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Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Richard Lorber
Die Story, 1851 ausgeheckt in der Lustspielschmiede von Eugène Labiche, ist eine rasante Absurdität: ein Bräutigam, dessen Pferd am Tag der Hochzeit den Strohhut einer zufällig gerade fremdgehenden Dame aufgefressen hat, dessen Verschwinden nun ihr Alibi gefährdet (der Gatte ist ein Eifersüchtiger), was den Liebhaber der Dame dazu bringt, den Bräutigam zu...
Die «Walküre» ist die mit Abstand populärste Oper aus Wagners «Ring». Doch findet sich darin die wohl unbeliebteste halbe Stunde der ganzen Tetralogie, noch vor der ähnlich langen Wissenswette in «Siegfried»: Wotans sogenannter Monolog im zweiten Aufzug. In Tat und Wahrheit handelt es sich dabei um eine erst nachdenklich, dann zunehmend hitzig formulierte...
Ein Blick in den Werkkatalog Jean-Philippe Rameaus zeigt die enorme Vielfalt seiner Arbeiten für das Musiktheater. Neben abendfüllenden Tragédies en musique, Balletten, Divertissements und Pastoralen stehen mehrere Einakter unterschiedlichster Art. Das bekannteste und schon zu Lebzeiten des Komponisten erfolgreichste Werk dieser Art ist der Acte de ballet «Pygmalio...
