Social-Mediadrama
Es gibt viele Zugänge und Interpretationsmöglichkeiten zu Oscar Wildes Roman «Das Bildnis des Dorian Gray», und die nun in Poznań uraufgeführte Oper der 82-jährigen polnischen Komponistin Elżbieta Sikora auf ein Libretto des Regisseurs David Pountney ist auch nicht die einzige Dorian-Gray-Oper, ganz zu schweigen von den vielen Balletten, Theaterfassungen, Filmen und Musicals.
Pountney hat ein Stück in englischer Sprache über den Fluch von Social Media gemacht.
Der mephistophelische Lord Henry, bei Wilde eine zentrale Figur, fehlt in der Oper ganz, ebenso die wichtige Anspielung auf den Narziss-Mythos des nicht alternden Titelhelden. Vielmehr ist dieser ein Opfer von Basil, der hier nicht Maler, sondern Photograph ist, unerlaubterweise Bilder von Dorian ins Netz stellt und damit einen viralen Hype von zunächst ungezügelter Bewunderung entfacht. Später wird daraus ein Shitstorm. Dieser Dorian Gray ist in der Oper, anders als bei Oscar Wilde, keiner, der von faustischer Hybris ergriffen ist, sondern ein Mensch mit Empathie, den Basils Skrupellosigkeit, als er die Leichen eines Drohnenangriffs in einem zur Sozialstation umgebauten Kino filmt («Beauty is everywhere»), so bestürzt, dass ...
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Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Richard Lorber
Wer trotz allem lacht, verfügt im besten Falle über eine gehörige Portion jüdischen Humors, kann nicht nur der Vertreibung aus dem osteuropäischen Schtetl mit Komik begegnen, sondern sogar der Shoah. Das Lachen wird zum Mechanismus der Bewältigung des Bösen und des Überlebensgeistes selbst im Angesicht des Todes. In ihm begegnet die jüdische Kultur der Verzweiflung...
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