Blicke ins Weite
Wer trotz allem lacht, verfügt im besten Falle über eine gehörige Portion jüdischen Humors, kann nicht nur der Vertreibung aus dem osteuropäischen Schtetl mit Komik begegnen, sondern sogar der Shoah. Das Lachen wird zum Mechanismus der Bewältigung des Bösen und des Überlebensgeistes selbst im Angesicht des Todes. In ihm begegnet die jüdische Kultur der Verzweiflung mit Sarkasmus, Satire, Ironie und sehr wohl auch mit Selbstironie, denn auch dem eigenen Glauben ist dabei nichts mehr heilig.
Der singuläre Meister dieses speziellen Humors, der diesen auf Jiddisch praktizierte und sich für die so entstandene Weltliteratur anno 1978 den Nobelpreis für Literatur erschrieb, war Isaac Bashevis Singer. Er erforschte die Haltung seiner Vorfahren zwischen Leidenserfahrung und Lebensfreude so tiefsinnig wie witzgeschärft, thematisierte zumal die Emigration der Ostjuden in die Vereinigten Staaten, warf aber auch universell existenzielle Fragen über die allzu menschliche Leidenschaft auf. Eine seiner Kurzgeschichten erzählt von der späten Wiederbegegnung einer Frau und eines Mannes, die als jüdische Einwanderer nach New York kamen und sich dort nach Jahren der Trennung in den 1960er-Jahren ...
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Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Magazin, Seite 85
von Peter Krause
Warum besetzt man die Rolle der Cleopatra in Händels «Giulio Cesare in Egitto» mit einem männlichen Sänger? Wir sind doch nicht in Rom des 17. Jahrhunderts, wo Frauen auf der Bühne verboten waren und ab und zu Kastraten in ihre Rollen schlüpften. Doch es fügte sich offenbar, dass mit Dennis Orellana einer der besten Sopranisten unserer Zeit zur Verfügung stand. Er...
Ich lehne Partien ab, die viel Schreien verlangen.» Ein Credo. Renato Bruson sang sie dann trotzdem, aber eben auf seine Art. Er hat all die Schurken, Sonderlinge und zwielichtigen Kerle zu sich herangeholt und ihnen andere, manchmal neue Facetten eröffnet. Auf dem Zenit seiner Karriere bildete der Italiener den Gegenentwurf zum sieben Jahre älteren Landsmann Piero...
Die Authentizität der Affekte ist absolut. Jedenfalls für jene utopischen Augenblicke einer gedehnten Zeit, die durch die ewigen Wandlungen der Wiederholungen in den Da capo-Arien ihre geheimnisvolle Dauer erfährt. Im Moment des Besingens von ersehnter und erfüllter, enttäuschter und verratener Liebe gibt es im Bühnenleben dieser Figuren nichts als genau dieses...
