Blicke ins Weite
Wer trotz allem lacht, verfügt im besten Falle über eine gehörige Portion jüdischen Humors, kann nicht nur der Vertreibung aus dem osteuropäischen Schtetl mit Komik begegnen, sondern sogar der Shoah. Das Lachen wird zum Mechanismus der Bewältigung des Bösen und des Überlebensgeistes selbst im Angesicht des Todes. In ihm begegnet die jüdische Kultur der Verzweiflung mit Sarkasmus, Satire, Ironie und sehr wohl auch mit Selbstironie, denn auch dem eigenen Glauben ist dabei nichts mehr heilig.
Der singuläre Meister dieses speziellen Humors, der diesen auf Jiddisch praktizierte und sich für die so entstandene Weltliteratur anno 1978 den Nobelpreis für Literatur erschrieb, war Isaac Bashevis Singer. Er erforschte die Haltung seiner Vorfahren zwischen Leidenserfahrung und Lebensfreude so tiefsinnig wie witzgeschärft, thematisierte zumal die Emigration der Ostjuden in die Vereinigten Staaten, warf aber auch universell existenzielle Fragen über die allzu menschliche Leidenschaft auf. Eine seiner Kurzgeschichten erzählt von der späten Wiederbegegnung einer Frau und eines Mannes, die als jüdische Einwanderer nach New York kamen und sich dort nach Jahren der Trennung in den 1960er-Jahren ...
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Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Magazin, Seite 85
von Peter Krause
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