Jugend ohne Gott

Wichtige Erinnerungsarbeit: Das Theater Vorpommern und das Theater Orchester Biel Solothurn widmen sich Grigori Frids Mono-Oper «Das Tagebuch der Anne Frank»»

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Sie sind einander vermutlich nie begegnet, obwohl sie das gleiche Schicksal teilten, wussten deswegen auch nicht, dass es weitere Parallelen zwischen ihnen gab. Beide Frauen waren jung und jüdischen Glaubens, beide führten, bevor sie ins Konzentrationslager Bergen-Belsen kamen, zwei Jahre lang Tagebuch, die eine in Paris, die andere in Amsterdam.

Der wesentliche Unterschied zwischen Hélène Berr und Anne Frank bestand einmal darin, dass die Ältere sich nicht in einem Hinterhaus verstecken musste, sondern Mitglied einer Organisation war, die internierten Juden und ihren Angehörigen mit Rat und Hilfe zur Seite stand – und zum anderen, dass Hélène schon Schriftstellerin war, während die um acht Jahre jüngere Anne davon träumte, diesen Beruf einmal auszuüben – dann, wenn das Grauen überstanden sein würde. Die Hoffnung war in beiden Fällen vergeblich. Anne Frank wurde 1944 deportiert und starb wenige Monate später in Bergen-Belsen an Typhus, Hélène Berr, die ihr Landsmann, der französische Schriftsteller Patrick Modiano, angesichts ihres philosophischen Weitblicks mit Simone Weil und ihrer literarischen Expressivität wegen mit Katherine Mansfield verglichen hatte, starb am gleichen Ort ...

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Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Jürgen Otten und Peter König

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