So viel Zeit muss sein

In Leipzig wird Wagners «Parsifal» für einen einzigen Abend aus dem Magazin geholt. Da ist kluges Abwägen nötig: Wie für Qualität sorgen, ohne unverhältnismäßig Ressourcen zu strapazieren?

Der graue Linoleumboden riecht nach Schulsport, die Neonröhren summen leise. Hier ein Plüschsofa, dort eine Schubkarre voll abgewetzter Männerschuhe. An den Wänden: Ballettstangen. Ein groß gewachsener Mann im Sakko kriecht auf allen Vieren in die Mitte des Raumes, beobachtet von einer kleinen älteren Frau, die hinter einem langen Holztisch verkehrt herum auf ihrem Stuhl hockt. Der Pianist greift in die Tasten und singt: «Mein Soohn Amfoortaas, bist du am Aaamt?». Die Frage gilt dem Mann am Boden. Der scheint an seinem vorläufigen Ziel angekommen – einem Podest aus Europaletten.



Der Bariton Mathias Hausmann, die Spielleiterin Verena Graubner und der stellvertretende Studienleiter Christian Hornef feilen im dritten Stock der Oper Leipzig an Wagners «Parsifal». Zehn Jahre ist es her, dass Roland Aesch-limanns Inszenierung Premiere feierte, seitdem ist sie regelmäßig im Spielplan – und muss, wie jetzt zu Ostern, immer wieder aufpoliert werden.

Hausmann hievt sich auf die Paletten und singt von Amfortas’ Todessehnen. Sein Blick verfestigt sich in der Ferne, sein Atem geht schwer. Die Qualen, hörbar in der Stimme, sichtbar in der Mimik – man kauft sie ihm ab, auch ohne Kostüm und ...

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Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Aus der Werkstatt, Seite 46
von Nora Sophie Kienast

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