So ist es sonst nirgends
Als der Traum vom eigenen Festspielhaus Realität zu werden begann, bekamen Wagner und seine Frau Cosima ein wenig kalte Füße. «Sehr ergriffen» sei Wagner vom Bauplatz zurückgekehrt, schrieb Cosima ins Tagebuch, nachdem ihr Mann die Arbeiten am gewaltigen Fundament des Bühnengebäudes begutachtet hatte, «nun sei er verpflichtet, nun sei er nicht mehr frei, […] er könne nun nicht mehr zurück».
Cosima erwähnt für sich selbst später «ein Gefühl von Angst»: «So lange die Idealität bloß in uns lag, erschrak mich ihr Abstand von der Realität nicht, nun aber, da sie geformt vor uns ist, erschreckt mich die Kühnheit, mir erscheint dann alles wie ein Grab (Pyramiden!).»
Wie sich das Bauherren-Paar plötzlich der eigenen Verantwortung bewusst wird, der Verpflichtung, die sich aus der unerhörten Initiative ergab, fürs eigene Werk auch eine eigene Aufführungsstätte bauen zu lassen, das trägt durchaus sympathische, in jedem Fall sehr menschliche Züge. Man ist geneigt, Wagners Reaktion mit seiner Faszination für den Buddhismus in Verbindung zu bringen: Alle Materialisierung trägt zur Unfreiheit und damit zum Unglück des Menschen bei – das muss der Komponist beim Anblick des emporwachsenden ...
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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Medien, Seite 68
von Clemens Haustein
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