Debussy: Pelléas et Mélisande
Kein Wald, keine Grotten, keine Innenräume: Schloss Allemonde ist der verfallende Innenhof einer zinnenbewehrten Burg. Durch schiefe Wände brechen ein paar kahle Baumstämme. Wie dem Stück an diesem Ort (Bühne: Helfried Lauckner) zu begegnen ist, beantwortet Brigitte Fassbaender mit Unentschiedenheit. Mal bedient sie den Symbolismus, mal verweigert sie sich ihm.
Die Damen dürfen ausgiebig zeigen, was in ihren Schränken an edlen Jugendstil-Roben hängt (Kostüme: Michel D. Zimmermann). Zur Kennzeichnung der Figuren trägt das allerdings wenig bei.
Auch szenische Details blieben oft Dekoration: Anfangs scheuern Mägde den Boden – wie in der ersten Szene bei Maeterlinck, die Debussy gestrichen hat. Später huschen sie möbelrückend durchs Bild oder mutieren am Ende zu stummen Klageweibern. Zwar lässt Mélisande in der Turmszene Pelléas mit dicken, rostroten Kordeln anstelle ihrer Haare spielen. Doch anschließend schleift sie Golaud plötzlich an einem realistischen, bodenlangen Zopf über die Bühne. Wenn der kleine Yniold eine Schafherde auf dem Weg zur Schlachtbank beobachtet, blökt es laut im Surroundton durch den Zuschauerraum.
Erst nach der Pause gewinnt die Aufführung an Stringenz. Nun ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Stolze vier Uraufführungen stemmt das Stadttheater Fürth zum 1000-jährigen Stadtjubiläum. Mit der Wirtschaftswunderrevue «Petticoat & Schickedance» gelang ein großer Publikumserfolg, jetzt folgte mit dem zweiten Auftragswerk «Aus der Welt» eine anspruchsvollere Kammeroper, die beifällig aufgenommen wurde. Was zum einen an der gar nicht neutönerischen, sondern...
«Nichts dazu sage ich», sind die ersten Worte des Königs Arkel. «Ich weiß nicht, was ich sage... Ich weiß nicht, was ich weiß... Ich sage nicht mehr, was ich will...», spricht die sterbende Mélisande. Es ist eine geheimnisvolle Welt des Schweigens, eine archetypische Traumwelt symbolbefrachteter Räume, in der Debussys einzige vollendete Oper «Pélleas et Mélisande»...
Schon mit den ersten Takten hebt sich ein Glitzervorhang und gibt den Blick frei auf Anna. Sie blättert in einem Lifestyle-Magazin, zieht sich die Lippen nach und rasiert die Waden. Oder sollten wir es doch mit Manon zu tun haben, die, wie wir gelesen haben, bei einem
gewissen Abbé als Romanheldin auftaucht und später, ebenfalls lange her, von einem Franzosen zum...
