Sinn für Zusammenhänge

Nach achtzehn Jahren vollendet: Ulrich Schreibers brillanter «Opernführer für Fortgeschrittene»

Opernwelt - Logo

Sympathie voraus. Das war stets die Devise, von Band zu Band. Kaum ein Musikschriftsteller, kaum ein groß angelegtes Werk, dem die uneingeschränkte Hochachtung von Station zu Station von vornherein so sicher gewesen wäre wie Ulrich Schreiber und seinem «Opernführer für Fortgeschrittene». Und das schon, aber keineswegs nur wegen der nachgerade gigantischen Fleißleistung, die diese singuläre Ich-AG – wohlgemerkt: neben der musik- und theaterkritischen Alltagsarbeit – zwei Jahrzehnte lang forderte. Was zunächst auf drei Bände angelegt war, wuchs und wuchs.

Am Ende waren es ihrer fünf. Band III («Das 20. Jahrhundert») gibt sich dreigeteilt.
Der Titel ist weiterhin wörtlich zu nehmen. Und nach wie vor zugleich als Warnung. Das will sagen: Wer sich, schon im kleinen Schwarzen oder im dunklen Zwirn, noch einmal ruckzuck vergewissern will, um was es denn gleich gehen wird, ist hier an der fal­schen Adresse. Der Autor wendet sich fast 4000 Seiten lang an Nutzer, die schon viel wissen und noch mehr wissen wollen. Schreiber-Leser kennen das: Die Inhaltsangaben spielen keineswegs die Hauptrolle, es sei denn, sie können absolut nicht vorausgesetzt werden. Des Autors Leseanleitung sei ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2007
Rubrik: Magazin, Seite 32
von Heinz W. Koch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Mussorgsky: Boris Godunow

Die Stärken der Aufführung liegen auf musikalischer Seite. Man spielt im Wesentlichen die Fassung von 1872 plus Basilius-Kathedralen-Bild von 1869 in deutscher Übersetzung von Max Hube. GMD Golo Berg gelingt es in einer klangsuggestiven, straffen, gleichwohl poetischen Lesart, den Balanceakt zwischen Archaik und Moderne hörbar zu machen, der Mussorgskys «Boris...

Sakraler Nightclub

Francis Poulencs 1957 uraufgeführte Oper «Dialogues des Carmélites» schien damals ihres religiösen Sujets wie ihrer weitgehend tonalen Musik wegen aus der zeitgenössischen Entwicklung herauszufallen. Inzwischen hat sich das Stück als eigenständiges Ausnahmewerk in der Nachfolge von Debussys «Pelléas» erwiesen: traumatisierende Musikalisierung eines scheinbar...

Jetzt erst recht!

Als vor eineinhalb Jahren Giampaolo Vianello, Intendant des Teatro La Fenice, und Bürgermeister Massimo Cacciari mit düsteren Mienen vor den grünen Samtvorhang des Fenice traten, um gegen die schmerzhaften Mittelkürzungen für Italiens Opernhäuser durch die Berlusconi-Regierung zu protestieren, waren aus einer der Logen despektierliche Zwischenrufe zu vernehmen:...