Mussorgsky: Boris Godunow
Die Stärken der Aufführung liegen auf musikalischer Seite. Man spielt im Wesentlichen die Fassung von 1872 plus Basilius-Kathedralen-Bild von 1869 in deutscher Übersetzung von Max Hube. GMD Golo Berg gelingt es in einer klangsuggestiven, straffen, gleichwohl poetischen Lesart, den Balanceakt zwischen Archaik und Moderne hörbar zu machen, der Mussorgskys «Boris Godunow» bestimmt. Sängerisch ist die Aufführung nicht durchweg auf so hohem Niveau. Ulf Paulsen, der zuvor in Dessau Don Giovanni und Kurwenal sang, ist als Boris eine glatte Fehlbesetzung.
Heraus ragt Daniel Lewis Williams, der einen ergreifenden Pimen singt.
Symbol der Macht ist für Regisseur Helmut Polixa die Zarenkrone, die er als schlichte, gezackte, zeitlose Theaterkrone in vielfältigen bildnerischen Variationen in fast allen Szenen zeigt. Ausstatter Stefan Rieckhoff reduziert die Optik weitgehend auf einfachste Räume. Eine blutbesudelte Bretterwand markiert den Ort des Volkes. Den Zarenszenen sind Rot und Gold vorbehalten. Die Marina-Szene in Schloss Sandomir wird eingedampft zum blauen Laufsteg für schlecht gekleidete Bardamen (Marias Mädchen). Spätestens da gerät die Inszenierung zum Stadttheater-Kitsch. Iordanka ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Im Wiesbadener Publikum fährt der Adrenalinspiegel hoch: Mit großem Gepolter kracht ein Obelisk durch die Pyramidenwände der Bühne. Nieder mit Ägypten: Das Heer des Julius Cäsar seilt sich schwindelfrei vom Bühnenturm ab. Große Geschütze also für die populärste aller Händel-Opern? Zum Glück nicht. Der eröffnende Donnerschlag war schon der gröbste. Der Rest ist,...
Bereits Felix Weingartner, vor gut hundert Jahren der wohl leidenschaftlichste Vorkämpfer für Berlioz’ «Benvenuto Cellini», war sich über die Schwierigkeiten dieser Oper vollauf im Klaren: «Cellini» brauche eine angemessene Aufführung nötiger als irgendein anderes Meisterwerk, schrieb der ehemalige Generalmusikdirektor der Wiener und Berliner Hofoper 1912, und...
Ein großer Tag, ein Ehrentag für Generalintendant Klaus Pierwoß: In seiner letzten Spielzeit wurde ihm der neu geschaffene Preis der Deutschen Theaterverlage überreicht, und was Winfried Jacobs, der Vorsitzende der Jury, dazu an Begründungen in seiner Laudatio ausführte, zeigte eindrucksvoll den Rang, den das Bremer Musiktheater dank Pierwoß während der letzten...
