Sex, Lügen und Hollywood
An wundersame Wasserwesen, an Undinen, kleine Meerjungfrauen, Mädchen mit Fischschwänzen können wir kaum mehr glauben. Er sei ihnen gut, bekannte noch der alte Wagner am Vorabend seines Todes, und lauschte den Klagen seiner Rheintöchter nach, aber das ist lange her. Was da webt und west, sind ja, wir wissen es, bloß männliche Projektionen. Die Wirklichkeit ist anders, und für das Regieduo Philipp Stölzl/Philipp M. Krenn ist Rusalka eine heroinsüchtige Sexarbeiterin an einem dekorativ heruntergekommenen Straßenstrich in New York Anfang der 1960er-Jahre.
Alles da, die Feuertreppen und Mülltonnen, die Gewalt-Gangs von New York, und wenn es Winter ist, rieselt unentwegt Schnee und es dampft aus dem Gullydeckel. Rusalka muss da raus, soviel ist klar, und es wird, bis zu ihrem traurigen letzten Schuss am Ende, wenn alle Illusionen perdu sind, nicht gutgehen.
Stölzl und Krenn zeigen den Untergang der armen Rusalka im Spannungsfeld von gleich drei Industrien, die für die gewerbsmäßige Fabrikation von Träumen zuständig sind: Sex, Hollywood, Beauty. Deshalb muss die arme Rusalka, der Johanni van Oostrum leidensinnige, anrührende Glockenhöhen mitgibt, ins Haar- und Nagelstudio der Jezibaba ...
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Opernwelt August 2023
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Holger Noltze
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Im Orchestergraben zu weinen ist natürlich schwierig, aber als Zuschauer geht mir «Wotans Abschied» in der «Walküre» sehr nah.
Wo würden Sie ein Opernhaus bauen?
In Zermatt, wenn es genug Platz gäbe!
Ihr Geheimrezept fürs Überleben während der Proben?
Ein guter Teamgeist.
Welche Oper halten Sie für überschätzt?
Sagen wir...
Das Leben? Eigentlich ist es nur ein Spiel. Ein Glücksspiel. Manchen Menschen gibt Fortuna die richtigen Karten in die Hand, damit sie die angenehmen, luxurierenden Seiten des Daseins genießen können – bis irgendwann der Tod vor der Tür steht, milde lächelnd. Anderen gönnt sie nicht einmal die Möglichkeit der Liebe, nur den Schatten oder die Ahnung davon, wie zum...
Man sah es an und rieb sich leicht verwundert die Augen. Auf den Plakaten des Festivals d’Aix-en-Provence, die den Besucher schon am Stadteingang auf das musiktheatralische Großereignis hinwiesen, fand sich ein Kunstwerk annonciert, das viele, zumindest unter diesem Titel, nicht kennen. «L’Opéra de quat’sous». Très chic, apart, wohlklingend. Und von Logik zumindest...
