Einfach Mensch sein
Herr Scholl, frei nach Udo Jürgens: «Mit 55 Jahren …»
(lacht und singt) Mit 55 Jahren, da fängt das Leben an …
Fängt es womöglich für Sie als Bariton an?
Nun ja, der Bariton ist in meiner Kehle immer ein Fremdkörper gewesen. Ich habe im Kiedricher Knabenchor angefangen zu singen, dem zweitältesten Knabenchor Deutschlands, und meine Countertenorstimme ist die ununterbrochene Fortsetzung meiner Knabenstimme.
Ich habe nie aufgehört, mit dieser hohen Stimme zu singen, kenne den traditionellen Bruch also gar nicht, dieses «Aussteigen» für ein, zwei Jahre. Natürlich hat mein Gesangslehrer Richard Levitt während des Studiums in Basel immer versucht, mit meiner Baritonstimme zu arbeiten, aber das war gar nicht so leicht. Denn es stellte sich heraus, dass auch meine Sprechstimme schnell ermüdete – ich hatte ein sogenanntes Mutationsdreieck.
Können Sie erklären, was ein Mutationsdreieck ist?
Es bedeutet, dass der Stimmbruch in meiner Jugend nicht vollständig abgeschlossen war. Joseph Sopko, ein in Basel ansässiger Hals-, Nasen- und Ohrenarzt, der seit vielen Jahren ein sehr guter Freund ist und schon damals ein großer Seelentröster für alle Sänger war, fragte mich, als ich 22 Jahre alt war, ...
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Opernwelt August 2023
Rubrik: Interview, Seite 54
von Jürgen Otten
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Mit dem Libretto von Alice Goodman war wohl der Komponist von «Nixon in China» – der nicht gerade mit geringem Selbstbewusstsein beschenkte John Adams – nicht sehr zufrieden. Tatsächlich knarzt es im Text hier und da doch gewaltig hölzern und gewollt. Sicher, das Stück ist selbst ja schon als eine Farce angelegt, die der politischen Situation zwischen den USA und...
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Im Orchestergraben zu weinen ist natürlich schwierig, aber als Zuschauer geht mir «Wotans Abschied» in der «Walküre» sehr nah.
Wo würden Sie ein Opernhaus bauen?
In Zermatt, wenn es genug Platz gäbe!
Ihr Geheimrezept fürs Überleben während der Proben?
Ein guter Teamgeist.
Welche Oper halten Sie für überschätzt?
Sagen wir...
