1923 ist heute!
Es war ein Jahr voller Krisen, dieses 1923: Hyperinflation, die Besetzung des Ruhrgebiets durch französische und belgische Truppen, der dadurch angestachelte Nationalsozialismus (mit bekannten, schlimmsten Folgen wenige Jahre später). In seinem Buch wirft der 1975 geborene Tobias Bleek ein besonderes, intensives, immersives, informatives Dauerschlaglicht auf die Musik dieser Zeit – ausgehend von den besagten, politisch brenzligen Vorzeichen.
Bleek ist von Hause aus Musikwissenschaftler (er promovierte über György Kurtág), doch ist er auch im Rahmen seiner weitreichenden Tätigkeiten auf dem Gebiet der Musikvermittlung unterwegs. Und das merkt man diesem hervorragenden, tief in die explosive Materie eintauchenden Buch an; 100 Jahre «danach».
Dabei lag der Skandal von Strawinskys «Sacre» damals bereits zehn Jahre zurück! Dafür entwickelten in den USA afroamerikanische Musiker aus der überkommenen, scharfen Chromatik Mitteleuropas ihre ganz eigene, beneidenswert entspannte Art und Weise, mit den «Errungenschaften des Abendlandes» umzugehen (das Wort «Jazz» war zu dieser Zeit – als «offizieller Terminus» – gerade einmal acht Jahre alt). Doch die Rassentrennung war jenseits des ...
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Opernwelt August 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 39
von Arno Lücker
JUBILARE
Gisela Ehrensperger kam am 10. August 1943 in Wiesbaden zur Welt. Nach einem privaten Gesangsstudium in Zürich wechselte sie im Rahmen ihres ersten Engagements 1965 nach St. Gallen und wurde zwei Jahre später ans Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz verpflichtet, dem sie bis 2007 als Ensemblemitglied angehörte. In ihrer mehr als 40-jährigen...
Seit der Antike weiß man es: «Habent sua fata libelli» – Bücher haben ihr Schicksal. Ein Schicksal haben auch Opern. Und selten ein gutes, wenn sie berühmten Büchern folgen. Als Lorin Maazels «1984» vor 18 Jahren an Londons Covent Garden uraufgeführt wurde, fielen die Kritiken ungnädig aus. Man stieß sich an U-musikalischen Einsprengseln, daran, dass die Oper nicht...
Mit dem Libretto von Alice Goodman war wohl der Komponist von «Nixon in China» – der nicht gerade mit geringem Selbstbewusstsein beschenkte John Adams – nicht sehr zufrieden. Tatsächlich knarzt es im Text hier und da doch gewaltig hölzern und gewollt. Sicher, das Stück ist selbst ja schon als eine Farce angelegt, die der politischen Situation zwischen den USA und...
