Hymnen an die Nacht
Verfluchter Tag mit deinem Schein! Wachst du ewig meiner Pein?», lamentiert Wagners Tristan. Er wendet sich ab vom Tageslicht, als verletze es ihn. Doch nicht eine seltene Lichtkrankheit plagt Isoldes Geliebten; vielmehr huldigt dieser der romantischen Ideologie, wonach das ersehnte Nachtdunkel als Inspirationsquelle zu verstehen sei. Das Booklet der CD «Insomnia» erwähnt in diesem Zusammenhang Novalis und seine «Hymnen an die Nacht» sowie Lord Byron, der den Mond «The Sun of the Sleepless» nannte.
Katharina Konradi (Sopran) und Ammiel Bushakevitz (Klavier, Gitarre) haben den Zustand der Schlaflosigkeit zum Motto ihres Schubert-Albums erhoben. Denn nicht erst seit Udo Samel in Fritz Lehners Schubert-Film «Mit meinen heißen Tränen» weiß man, dass «Schwammerl», wie Freunde den Komponisten nannten, häufig nur schlecht oder gar nicht geschlafen hat.
Als der Film 1986 im Fernsehen lief, war Konradi freilich noch nicht geboren. Sie kam zwei Jahre später im kirgisischen Bischkek zur Welt. Die Nähe zur Sprache Schuberts fand sie erst mit 15, als Folge ihrer Übersiedlung nach Hamburg. Auch dem Pianisten Ammiel Bushakevitz, geboren in Jerusalem, aufgewachsen in Südafrika, wurde Schuberts ...
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Opernwelt August 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 36
von Gerhard Persché
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