Seit hundert Jahren in Betrieb
Ganz oben, hoch über dem Bühnenturm, setzen vier Panther zum Sprung gen Süden an. Zum Licht, nach Arkadien, ins Reich der Musen. Dorthin, woher einst die Musik kam, die Poesie und das Spiel. Noch stehen die von den Tieren gezogenen Streitwagen auf zwei Türmchen still, gezügelt von einer weiblichen und einer männlichen Idealfigur. Aber nicht mehr lange, sagt ihre Haltung – alles ist hier Dynamik, Bewegung, Sehnsucht nach Transzendenz. Nicht rohe, maßlose Kraft, sondern kultivierte, elegante Energie.
Panther und Löwen, Putti und Engel, Chimären, Widderköpfe und Obelisken, symmetrisch angeordnet, in klar gestaffelte Baukörper eingepasst – Bernhard Sehring geizte nicht mit Zitaten aus dem antiken und palladianischen Formenkanon, als die Cottbuser Bürgerschaft ihn beauftragte, ein Theater für die damals prosperierende Kleinstadt in der Lausitz zu entwerfen. Der Architekt hatte sich mit dem Theater des Westens in Berlin-Charlottenburg (1896) einen viel diskutierten Namen gemacht, sein kontrastreicher Stil-Eklektizismus traf den Nerv der späten Gründerzeit: der Vergangenheit in vergewissernder Ehrfurcht verbunden, der fragilen Gegenwart trotzig zugewandt. Was da also am 1. Oktober 1908 ...
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Schon der Name «Neue Düsseldorfer Hofmusik» zeigt, dass man bei der Gründung des Barockorchesters im Jahr 1995 einen spezifisch lokalen Anknüpfungspunkt suchte. Man fand ihn in den Jahrzehnten um das Jahr 1700, als Düsseldorf für rund fünfunddreißig Jahre Sitz des pfälzischen Kurfürsten Johann Wilhelm («Jan Wellem») und eine der glanzvollsten deutschen...
Die Schreibmaschine ist schön. Weil sie Erinnerungen weckt an eine Zeit, in der Wörter noch gleichsam eingemeißelt wurden. Altes Modell, vielleicht eine Olympia aus den sechziger Jahren. Vor ihr Anna Samuil, in grauer Leinenhose und lindgrüner Bluse, im Schneidersitz, auf dem Boden hin- und herwogend wie ihre Seele. Soll ich? Soll ich nicht? Ja, sie soll. Und man...
Die Wiege der Oper steht bekanntlich in Italien. Als Monteverdis «L’Orfeo» am Hof von Mantua über die Bühne ging, florierten Musik, Literatur und bildende Kunst in den Palazzi zwischen Florenz, Rom und Neapel – und befruchteten sich wechselseitig. Schon bald wurde überall in Europa Oper gespielt, und bis um die Mitte des 18. Jahrhunderts dominierte die italienische...
