Gemeinsam einsam
Küsse, Bisse, das reimt sich», rechtfertigt sich Kleists Penthesilea. Auch in Rossinis Racine-Adaption «Ermione» wird zwölf Jahre später aus frustrierter Liebe zugebissen. Die Verlobte des Pyrrhus besteht auf Einhaltung des Eheversprechens, obwohl der Sohn des Achill inzwischen Hektors Witwe Andromache nachstellt. Ermione, eine Femme fatale, wie sie im Buche steht, fordert darauf Pyrrhus’ Tod als Liebesbeweis von dem ihr hörigen Orest. Die Reue kommt zu spät.
Mit der kleistischen Ausrede, Orest hätte eben auf ihr Herz, nicht ihren Mund hören sollen, weist sie die Verantwortung von sich und hetzt die Eumeniden auf den armen Agamemnon-Sohn. Kein Wunder, dass den genusssüchtigen Neapolitanern das sorbetto im Halse stecken blieb. Rossini sah das Uraufführungs-Fiasko voraus. Nach seiner Abreise spielte man das Stück noch zweimal ohne den skandalösen zweiten Akt. Dann verschwand es für einhundertsechzig Jahre von der Bildfläche.
Dass das nicht an der Qualität des Stückes liegt, bewiesen die minutenlangen Ovationen, die die Eröffnungspremiere des 29. Rossini Opera Festivals in Pesaro bereits nach dem Auftrittsduett des Orest und Pylades unterbrachen. Schon in dieser Paradenummer zündet ...
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Luigi Dallapiccolas Kurzoper «Il prigioniero» («Der Gefangene»), 1944 unter dem Eindruck des italienischen Faschismus begonnen und 1949 (unter der Leitung Hermann Scherchens) in Turin uraufgeführt, ist neuerdings wieder häufig auf den Spielplänen zu finden. Zuletzt stand das von melismatisch-expressiver Italianità durchsetzte Zwölftonopus in Paris zur Diskussion...
Vor fünf Jahren bescherte Kent Nagano Berlin an der Lindenoper eine neue «Turandot», die nicht nur aufhorchen ließ, weil das damals noch druckfrische Finale Luciano Berios auf den Notenpulten lag, sondern auch wegen ihres gehärteten, gleichsam trockeneisgekühlten Klangbildes (siehe OW 11/2003). Puccini, der Meister des molto cantabile hatte ausgedient, hier galt...
Sanft kräuselt der Wind die Oberfläche des Sees. Schilf wiegt sich im Takt der Wellen. Endlose Wälder säumen die Ufer. Die Konturen ferner Berge zeichnen sich am Horizont ab. Ein Ort für erhabene Gefühle, für frei fliegende Gedanken. Die hatte auch der Sänger und Regisseur Sten Niclasson, als er vor zwölf Jahren erstmals dieses Ufer bereiste und unbedingt die...
