Gemeinsam einsam

Anmerkungen zur Racine-Adaption «Ermione» und weiteren Trouvaillen beim 29. Rossini-Festival in Pesaro

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Küsse, Bisse, das reimt sich», rechtfertigt sich Kleists Penthesilea. Auch in Rossinis Racine-Adaption «Ermione» wird zwölf Jahre später aus frustrierter Liebe zugebissen. Die Verlobte des Pyrrhus besteht auf Einhaltung des Eheversprechens, obwohl der Sohn des Achill inzwischen Hektors Witwe Andromache nachstellt. Ermione, eine Femme fatale, wie sie im Buche steht, fordert darauf Pyrrhus’ Tod als Liebes­beweis von dem ihr hörigen Orest. Die Reue kommt zu spät.

Mit der kleistischen Ausrede, Orest hätte eben auf ihr Herz, nicht ihren Mund hören sollen, weist sie die Verantwortung von sich und hetzt die Eumeniden auf den armen Agamemnon-Sohn. Kein Wunder, dass den genusssüchtigen Neapolitanern das sorbetto im Halse stecken blieb. Rossini sah das Uraufführungs-Fiasko voraus. Nach seiner Abreise spielte man das Stück noch zweimal ohne den skandalösen zweiten Akt. Dann verschwand es für einhundertsechzig Jahre von der Bildfläche.
Dass das nicht an der Qualität des Stückes liegt, bewiesen die minutenlangen Ovationen, die die Eröffnungspremiere des 29. Rossini Opera Festivals in Pesaro bereits nach dem Auftrittsduett des Orest und Pylades unterbrachen. Schon in dieser Paradenummer zündet ...

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Opernwelt November 2008
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Boris Kehrmann

Vergriffen
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