Sehnsüchte
Schon während der Aufführung hätte man die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören können.
Als sich am Ende, nach knapp zwei Stunden, die Bühnenrampen zu beiden Seiten des rund umlaufenden Podests in der aufgelassenen Gebläsehalle des Duisburger Industrieparks senkten und, bei langsam verlöschendem Licht, alle Mitwirkenden wie in einen schwarzen Sarkophag einschlossen, herrschte lange gebannte Stille, bis endlich der Beifall einsetzte – Bann der Traumverlorenheit, die von diesem einzigartigen Stück ausging, Bann aber auch des strengen Glücks einer (fast) vollkommenen Aufführung.
Der Welschschweizer Frank Martin (1890-1974) gehört zu den großen Unzeitgemäßen unter den Komponisten des 20. Jahrhunderts. Abseits von allen Schulen hat er ein Lebenswerk geschaffen, das die Zeitgenossenschaft zwar nicht leugnet, aber doch alle Anregungen – Impressionismus, Neoklassik, Zwölftonmusik – zu einem eigentümlich zwischen Archaik und Moderne changierenden Personalstil verschmilzt. Hört man mit unkonzentriertem Ohr hin, so glaubt man, in Martins suggestivem, zwischen lyrisch ausdifferenziertem Serialismus und modalen Ostinati gleitendem Legendenton einer hybriden Mischung aus Debussy und Orff ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2007
Rubrik: Im Focus, Seite 21
von Uwe Schweikert, Michael Struck-Schloen
Das Spannendste an der neuen Wiesbadener «Tosca» ist das hochkonzentriert, klangschön und dicht musizierende Orchester, dem Chefdirigent Marc Piollet aufschlussreiche Partiturdetails entlockt. Neues Licht fällt auf ganze Szenen durch höhnisch glucksende Klarinetten hier, gefährlich drohende Cello-Soli dort, und das strenge Metrum der Schluss-Chaconne in der...
Zum siebten Mal fand Ende August der 1995 ins Leben gerufene Gesangswettbewerb Königin Sonja (Dronning Sonja Internasjonale Musikkonkurranse) in Oslo statt. Einhundertsiebenundsechzig Kandidaten aus zweiundvierzig Ländern hatten sich gemeldet, vierundvierzig Teilnehmer wurden ausgewählt. Eine hochkarätige Jury, bestehend aus Joan Sutherland, Anne Gjevang, Ragnar...
Chefsache: Intendant Matthias Fontheim stellte sich in Mainz als Opernregisseur vor. Generalmusikdirektorin Catherine Rückwardt erfüllte sich, dem Orchester und dem Publikum mit Strauss' «Rosenkavalier» einen Wunsch. Ihre Mutter, die Sopranistin Judith Beckmann, zählte in den achtziger Jahren zu den gesuchten Interpretinnen der Marschallin. Es gibt also, wenn man...
