Einer für alle
Selbst sein Tod geriet zum Medienereignis. Nur wenige Stunden, nachdem Luciano Pavarotti in den Morgenstunden des 6. September einem Krebsleiden erlegen war, sendeten die Radioanstalten erste Nachrufe. Am Abend desselben Tages räumten die Hauptnachrichtensendungen der Kunde von seinem Tod einen Platz ein, wie er nur wenigen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens gewährt wird.
Bereits zwei Tage später fand eine große Trauerfeier in der Kathedrale seiner Heimatstadt Modena statt, zu der sich eine gewaltige Menschenmenge in und vor dem Gotteshaus versammelte, darunter viele Prominente aus der Politik und dem Kulturleben. Die weltweit live vom Fernsehen übertragene Veranstaltung, eine Mischung aus Staatsbegräbnis und Pop-Event, war aber nur Teil einer vielfältigen medialen Nachbereitung von Leben und Wirken des Sängers, die vom seriösen Porträt über die Wiederholung von Fernseh-Opernproduktionen bis zur genüsslichen Ausbreitung vermeintlicher Eheprobleme und Nachlassquerelen in den Niederungen der Klatschpresse reichte und immer noch reicht.
Die meisten Opernsänger verlassen die Bühne des Lebens ohne großes öffentliches Aufsehen. Pavarottis Hinscheiden hingegen wurde mit dem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Zwar ist die elektromagnetische Aufzeichnung der schärfste Feind nostalgischer Verklärung. Doch gelegentlich vermag sie die Erinnerung auch zu bestätigen. Etwa im Fall der Live-Aufnahme von Webers «Freischütz» vor 35 Jahren an der Wiener Staatsoper. Der 28. Mai 1972 war einer jener Abende, von denen man seinen Enkelkindern berichten möchte. Erstmals stand Webers...
Dass Mozarts Königin der Nacht als Angelegenheit für Spezialistinnen gilt, hat die Partie auch in Verruf gebracht. Denn zum einen können Koloratursopranistinnen allzu leicht darauf festgelegt werden, zum anderen passt oft das chinesische Märchenbild der mechanischen Nachtigall: koloraturgewandt, doch ohne Eigenpersönlichkeit. Diana Damrau ist längst zur...
Eine ziemlich degenerierte Gesellschaft sind sie schon, diese Götter: Wotan, der ständig abwiegelnde smarte Schwächling; Fricka, sein moralinsaures Eheweib; Donner, der aufbrausende Hohlkopf; Froh, der eitle Fant. Anthony Pilavachi arbeitet, zum Teil in zusätzlich eingefügten stummen Begegnungen, mit seinen Darstellern scharfe Charakterporträts heraus und führt sie...
