Sehnsucht und Verklärung

Zemlinsky: Der Traumgörge Hannover / Staatsoper

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Knapp vorbei ist auch daneben. 1921 schrieb Arnold Schönberg in einer kleinen Festschrift zum Geburtstag seines Lehrers, Freundes und Schwagers Alexander Zemlinsky: «Zemlinsky kann warten.» Warten musste dieser in der Tat: Die Uraufführung seiner Oper «Der Traumgörge» ging erst 1980, mit gut 75 Jahren Verspätung, in Nürnberg über die Bühne.

Schönberg hatte das Problem erkannt, sich aber bei der Lösung vertan: «Zemlinsky wird erst geschätzt werden, wie’s seiner Meisterschaft gebührt, bis sein Textdichter dem Publikum gefallen wird.

» Leider ist das Libretto von Leo Field durchs lange Lagern nicht besser geworden. Es reimt sich gewaltsam durch eine Geschichte, die merkwürdig zerfällt: Im ersten Akt verträumt der Görge sein Leben, verpasst seine Heirat und flieht in die Welt der Märchen. Im zweiten Akt holt ihn die Wirklichkeit ein, als eine Meute von Aufrührern ein Sprachrohr sucht. Das könnte Görge sein, nur müsste er sich dafür von seiner Partnerin Gertraud lossagen, die als Hexe verschrien ist. Er lehnt ab und flieht mit ihr – und zwar geradewegs ins Glück. Das Idyll wird in einem wie angeklebt wirkenden Nachspiel besungen. Es jubelt zwar nicht ganz so besinnungslos wie das Finale ...

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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Rainer Wagner

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