Der doppelte Poe
Als der Krebs ihn immer heftiger beherrschte, schrieb Claude Debussy: «Ich war dabei – oder fast dabei – ‹La Chute de la Maison Usher› zu vollenden: Die Krankheit hat meine Hoffnung ausgelöscht […] Ich finde mich schwer mit dieser Wendung meines Schicksals ab.» Auf der anderen Seite meinte er aber auch, diese Oper sei nur eine «Neuauflage des ‹Pelléas›» – mit einer Atmosphäre und Personen «von überraschender Ähnlichkeit», allerdings auf höherem «literarischen Niveau».
Leider unvollendet und beinahe eine Doublette – Debussys 1908 in Angriff genommene Adaption der Edgar Allan Poe-Novelle «Der Untergang des Hauses Usher» ist, genau betrachtet, ein Zwitter. Immer wieder hat es Versuche gegeben, das überlieferte Material musikalisch zu retten (u. a. in New Haven 1977 und in Paris/Berlin 1979), doch erst die Vervollständigung durch den englischen Musikwissenschaftler Robert Orledge darf als weitgehend letztes Wort gelten. Im August 2006 kam die von Orledge erarbeitete Fassung erstmals in Bregenz auf eine Opernbühne (siehe OW 9-10/2006).
Seine zweite Poe-Oper, «Le Diable dans le Beffroi» (nach der Erzählung «Der Teufel im Glockenturm»), beschäftigte Debussy schon 1902. Kurz nach der ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Christoph Vratz
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57. Jahrgang, Nr 6
Opernwelt wird herausgegeben von
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