Der doppelte Poe

Späte Reverenz an Debussy: Christoph-Mathias Mueller koppelt «La Chute de la Maison Usher» mit «Le Diable dans le Beffroi»

Opernwelt - Logo

Als der Krebs ihn immer heftiger beherrschte, schrieb Claude Debussy: «Ich war dabei – oder fast dabei – ‹La Chute de la Maison Usher› zu vollenden: Die Krankheit hat meine Hoffnung ausgelöscht […] Ich finde mich schwer mit dieser Wendung meines Schicksals ab.» Auf der anderen Seite meinte er aber auch, diese Oper sei nur eine «Neuauflage des ‹Pelléas›» – mit einer Atmosphäre und Personen «von überraschender Ähnlichkeit», allerdings auf höherem «literarischen Niveau».



Leider unvollendet und beinahe eine Doublette – Debussys 1908 in Angriff genommene Adaption der Edgar Allan Poe-Novelle «Der Untergang des Hauses Usher» ist, genau betrachtet, ein Zwitter. Immer wieder hat es Versuche gegeben, das überlieferte Material musikalisch zu retten (u. a. in New Haven 1977 und in Paris/Berlin 1979), doch erst die Vervollständigung durch den englischen Musikwissenschaftler Robert Orledge darf als weitgehend letztes Wort gelten. Im August 2006 kam die von Orledge erarbeitete Fassung erstmals in Bregenz auf eine Opernbühne (siehe OW 9-10/2006).

Seine zweite Poe-Oper, «Le Diable dans le Beffroi» (nach der Erzählung «Der Teufel im Glockenturm»), beschäftigte Debussy schon 1902.  Kurz nach der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Christoph Vratz

Weitere Beiträge
Aus und vorbei!

Anfang Mai gab es in Freiburg ein kleines Festival. Vier Abende. Auf dem Programm: Kurtág und Webern, Messiaen und Bernd Alois Zimmermann, Varèse und, zum Schluss, der c-Moll-Stoß von Beethovens «Fünfter». Eine Wahl mit Bedacht. Das SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, wie es seit einer Weile etwas holprig heißt, feierte Geburtstag: 70 stolze Jahre....

Europäisches Format

Das Kammerduett. Es war die Form, die ihm vielleicht am besten lag. Zwei Stimmen plus Cembalo, Laute(n) und Gambe – das reichte, um in so zuvor noch nicht gemischten Farben auszudrücken, was er in sich hörte. Agostino Steffani, 1654 im Veneto geboren, schöpfte vor allem aus Quellen des 17. Jahrhunderts, doch die fand er nicht nur in Italien, sondern auch in...

Kontrollierte Ekstase

Giuseppe Verdi, nach dem «Falstaff» als größter lebender Komponist angesprochen, soll darauf ­geantwortet haben: «Lassen Sie den großen Komponisten beiseite, ich bin ein Theatermann!» Als Carlo Maria Giulini und Claudio Abbado, zwei der profiliertesten Verdi-Dirigenten ihrer Generation, «Rigoletto» (1979) respektive «Un ballo in maschera» (1980) für die Deutsche...