Seelenmalerei
Johann Sebastian Bach muss ein guter Vater gewesen sein. Obwohl er sich intensiv um die musikalische Bildung seiner Söhne kümmerte, scheint diese Früherziehung jedoch nie so weit gegangen zu sein, dass sie die individuelle Entwicklung seiner Sprösslinge gefährdet hätte: Während Carl Philipp Emanuel zur prägenden Figur des Sturm und Drang wurde, klingen die Werke des Jüngsten, 1735 geborenen Johann Christian eher, als sei er der Sohn von Johann Adolf Hasse und der ältere Bruder von Mozart.
Während Carl Philipp jedoch bald einen ausgeprägten Personalstil entwickelte, versuchte Johann Christian zeitlebens immer neue Konsenslösungen zwischen dem alten sängerdominierten Seria-Stil Hasses (der beispielsweise in Johann Christians 1762 uraufgeführten «Alessandro nell’Indie» noch ganz ungebrochen rezipiert wird) und dem Gluck’schen Reformlager zu finden. Auch im 1772 für die Mannheimer Oper geschriebenen und jetzt an der Leipziger Oper wieder aufgeführten «Temistocle» stehen Tradition und Innovation direkt nebeneinander: Erschöpft sich der erste Akt noch in großformatig unverbindlichen Da-Capo-Arien, gewinnt das Stück über das tragische Ende des Helden von Salamis am Perserhof vom ...
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Es ist wohl nicht nur Zufall, sondern auch die Frucht des Ehrgeizes ambitionierter Editoren: Nachdem Jacques Offenbachs romantische Oper «Les Fées du Rhin» über einhundertvierzig Jahre dem Vergessen anheim gefallen war, folgte jetzt der konzertanten Wiederentdeckung vor drei Jahren in Montpellier kurz nach der zweiten und eigentlichen (weil vollständigen)...
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