Poesie des Dreiecks
Das Berner Stadttheater zeigt nicht nur mehrere, sondern auch diametral entgegengesetzte Gesichter. Nach der an Peinlichkeiten reichen Produktion von Catalanis «La Wally» (OW 4/2005) in der Regie von Renata Scotto nun also Peter Eötvös’ Tschechow-Oper «Tri sestri» in einer schlichten, aber überaus luziden, eindrucksvollen Inszenierung.
Dass man mit diesem Werk ein Erfolgsstück für den Programmpunkt Zeitgenössische Oper gewählt hat, ist legitim und hat sich in Bern bereits als geschickter Zug erwiesen. Eötvös’ Kompositionen sind in Musik gesetzte Geschichten.
Der Komponist erzählt Tschechows handlungsdünnes Konversationsstück «Drei Schwestern» in drei «Sequenzen» jeweils aus dem Blickwinkel einer Person, Irina, Andrej und Mascha. Dadurch entsteht eine Vielzahl von Dreieckskonstellationen. Zeiten und Vorgänge sind multiperspektivisch überlagert. Die sinnleeren Lebensentwürfe der Tschechow’schen Gestalten erhalten eine klangliche Hülle, die inneren Erschütterungen eine musikalische Sprache. Die Klanggesten des Komponisten schaffen eine plastische Kommunikation, indem Eötvös etwa einzelnen Figuren bestimmte Instrumente zuordnet. Zudem bindet er die Musik an zwei Klangkörper: Ein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Herr Schöne, im März sind Sie nach einer Vorstellung als Kurwenal im «Tristan» nach zweiunddreißig Jahren im Ensemble der Staatsoper Stuttgart verabschiedet worden: Hier gilt die gesetzliche Altersgrenze. Sie werden in Zukunft zwar gelegentlich in Stuttgart singen, auch wenn Albrecht Puhlmann in der Spielzeit 2006/07 seine Intendanz antritt – aber als Gast. Hat der...
Es war in Leipzig, als Richard Wagner im Juni 1835 gegenüber seinem Freund Theodor Apel bekannte: «Hinweg aus Deutschland gehöre ich!» Noch deutlicher wurde er am 22. September 1835: «Ich komme nie wieder nach Leipzig.» Mendelssohn wurde gerade zum Gewandhauskapellmeister gekürt. Wagner hat zwar, seit er die Stadt 1834 endgültig verlassen hatte, immer wieder...
Es ist alles Floskel auf Erden! «Falstaff» als Spiegel des frühen 21. Jahrhunderts? Wenn der Dickwanst die «Ehre» besingt, entlarvt das Orchester sein Gerede als Geschwätz. Der hehre Begriff wird durch banales Bläsergefasel und harmonisch zweifelhafte Flötenfigurationen verflüchtigt, die Violinen laufen ins Leere. Nichts ist es mit der Ehre. Alles ist Schein auf...
