Sechsmal hoch
Nicht nur in Roms Caracalla-Thermen, so viel darf spekuliert werden, auch in den Stadien der Welt dürften sie heute Kreisch-Ovationen auslösen. Farinelli/Senesino/ Carestini, das wäre so etwas wie Domingo/Pavarotti/Carreras in Potenz – für die feinen Kastratenorgane gäbe es ja Mikros und Mischpulte. So absurd mutet es also gar nicht an, dass die Stimmfach-Nachfolger ein wenig (und leicht verspätet) vom Tenor-Hype der Neunziger profitieren wollen.
Der CD-Titel «The 5 Countertenors» lässt also zunächst an vieles denken: «Granada» und «O sole mio» in Stratosphärenlage? Ein gemeinsam geschmettertes «Nessun dorma», vielleicht mit interpolierter Koloraturkadenz?
Das Ergebnis ist jedoch recht brav geraten. Keine Duette, keine Queerbesetzungen, keine Selbstironie: Die Silberscheibe versammelt weitgehend Nummern der üblichen Komponisten-Verdächtigen und vor allem den Freundeskreis von Max Emanuel Cencic: Dessen Firma Parnassus fungiert immerhin als Koproduzent. Alles «nur» vokale Visitenkarten also, von George Petrou und Armonia Atenea nervig-vibrierend befeuert, doch die haben es in sich. Vor allem, weil sie vorführen, wie sehr sich da ein Fach verästelt hat, das nur schwer unter dem ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 19
von Markus Thiel
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