Sechsmal hoch
Nicht nur in Roms Caracalla-Thermen, so viel darf spekuliert werden, auch in den Stadien der Welt dürften sie heute Kreisch-Ovationen auslösen. Farinelli/Senesino/ Carestini, das wäre so etwas wie Domingo/Pavarotti/Carreras in Potenz – für die feinen Kastratenorgane gäbe es ja Mikros und Mischpulte. So absurd mutet es also gar nicht an, dass die Stimmfach-Nachfolger ein wenig (und leicht verspätet) vom Tenor-Hype der Neunziger profitieren wollen.
Der CD-Titel «The 5 Countertenors» lässt also zunächst an vieles denken: «Granada» und «O sole mio» in Stratosphärenlage? Ein gemeinsam geschmettertes «Nessun dorma», vielleicht mit interpolierter Koloraturkadenz?
Das Ergebnis ist jedoch recht brav geraten. Keine Duette, keine Queerbesetzungen, keine Selbstironie: Die Silberscheibe versammelt weitgehend Nummern der üblichen Komponisten-Verdächtigen und vor allem den Freundeskreis von Max Emanuel Cencic: Dessen Firma Parnassus fungiert immerhin als Koproduzent. Alles «nur» vokale Visitenkarten also, von George Petrou und Armonia Atenea nervig-vibrierend befeuert, doch die haben es in sich. Vor allem, weil sie vorführen, wie sehr sich da ein Fach verästelt hat, das nur schwer unter dem ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 19
von Markus Thiel
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Lior Navok assoziiert mit «Fluss» nicht Lethe, sondern Ähnliches wie Henze in «Wir erreichen den Fluss» (1975) – eine symbolhafte Grenze von Lebenssphären. Sehr viel konkreter bezeichnet der israelische Komponist (Jahrgang 1971) den Fluss überdies als das trennende und verbindende Element zweier verfeindeter Völker (mit dem von beiden Seiten begehrten Wasser), und...
Er ist wieder da. Das erste Mal nach dem Rausschmiss. Dunkelblauer Anzug, offenes Hemd, ein Rotweinglas in der Hand. Wechselt hier ein paar Worte, lächelt dort hinüber, genießt die Blicke, die sich in den Foyers des Volkstheaters auf ihn richten. Blicke der Bewunderung, der Erwartung, der Hoffnung. Kann Sewan Latchinian die von Rostocks Bürgerschaft auf Druck der...
