Schwestern im Geiste
Theoretisch müsste jetzt das große Duett kommen. «Donna reale», die Anrufung der hohen Frau, und dann, von vielen vokalen Girlanden durchzogen, die Widerspiegelung einer heißen, jedoch unmöglichen Beziehung. Aber wir sind ja nicht bei Donizetti, obwohl Elisabetta I. und Roberto Devereux auf der Bühne stehen. In Puccinis «Turandot» erfolgt der Rückblick der Angebeteten auf eine traumatisierte Kindheit: «In questa reggia», es ist der Monolog der Prinzessin, an dessen Ende sich das Paar zum gemeinsamen hohen, brünstigen Fortissimo-C schraubt.
Was beide Stücke miteinander zu tun haben? Musikalisch nichts. Aber die «jungfräuliche Königin», wie sie genannt wurde, die ihre einzige Ehe mit dem Staat einging, und die sich gegen Männer verpanzernde chinesische Prinzessin – da lassen sich viele Parallelen entdecken. Die Irritation am Staatstheater Nürnberg weicht also einem Aha-Erlebnis. Und noch weitere Schwestern im Geiste entdeckt Regisseurin Kateryna Sokolova. Frauen, die in Männerwelten kaum bestehen können, die an der Unmöglichkeit von Beziehungen zum anderen Geschlecht leiden, manchmal sogar tödlich scheitern. Also sehen wir auch die Holofernes mordende Judith, Medusa und auch Eva, ...
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Opernwelt März 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Markus Thiel
Persien, vor langer Zeit. Ein grausames Gesetz gebietet, dass das erstgeborene Kind des Sultans stets ein Junge sein müsse, das zweite ein Mädchen. Sollte dero allerhöchste Fortpflanzungs -lotterie andere Resultate zeitigen, sind diese sofort blutig zu beseitigen. Vor rund zwanzig Jahren ist der Sultanin Pantea das Missgeschick passiert, zuerst eine Tochter, dann...
Was kommt
Kunst der Tiefe
Spektakulär sind seine Regie -arbeiten nur selten. Dafür aber immer höchst präzise und dem vorliegenden Werk würdevoll verpflichtet. Ingo Kerkhof zählt damit zu den interessantesten Vertretern seiner Zunft. Nur eben nicht zu den lautesten. Ein nachdenklicher Mann, dem die Welt nicht zu Füßen liegt, der sie aber gerade deswegen umso...
Seit vierzig Jahren steht Véronique Gens auf der Bühne – unermüdlich, unerschöpflich, unvergleichlich im goldenen Herbst ihrer Stimme. Allein anhand ihrer kaum mehr überschaubaren Diskographie ließe sich eine komplette Geschichte der französischen Oper von den Anfängen bis zur Moderne, von Jean-Baptiste Lullys «Alceste» bis zu Francis Poulencs Monodrama «La Voix...
