Schwestern im Geiste
Theoretisch müsste jetzt das große Duett kommen. «Donna reale», die Anrufung der hohen Frau, und dann, von vielen vokalen Girlanden durchzogen, die Widerspiegelung einer heißen, jedoch unmöglichen Beziehung. Aber wir sind ja nicht bei Donizetti, obwohl Elisabetta I. und Roberto Devereux auf der Bühne stehen. In Puccinis «Turandot» erfolgt der Rückblick der Angebeteten auf eine traumatisierte Kindheit: «In questa reggia», es ist der Monolog der Prinzessin, an dessen Ende sich das Paar zum gemeinsamen hohen, brünstigen Fortissimo-C schraubt.
Was beide Stücke miteinander zu tun haben? Musikalisch nichts. Aber die «jungfräuliche Königin», wie sie genannt wurde, die ihre einzige Ehe mit dem Staat einging, und die sich gegen Männer verpanzernde chinesische Prinzessin – da lassen sich viele Parallelen entdecken. Die Irritation am Staatstheater Nürnberg weicht also einem Aha-Erlebnis. Und noch weitere Schwestern im Geiste entdeckt Regisseurin Kateryna Sokolova. Frauen, die in Männerwelten kaum bestehen können, die an der Unmöglichkeit von Beziehungen zum anderen Geschlecht leiden, manchmal sogar tödlich scheitern. Also sehen wir auch die Holofernes mordende Judith, Medusa und auch Eva, ...
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Opernwelt März 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Markus Thiel
Frau Denoke, in drei Stunden hebt sich hier in Mainz der Vorhang zur Premiere von Korngolds «Toter Stadt». Wo wären Sie dann am liebsten: auf der Bühne, hinter den Kulissen oder ganz weit weg?
(lacht) Das ist schwer zu sagen. Auf der Bühne definitiv nicht. Ich habe dort zwei großartige Protagonisten, es ist ihr Abend und nicht meiner. Hinter der Bühne wäre ich...
Manche Schocks, das weiß schon der Volksmund, können auch heilsam sein. Für den Grünschnabel, der da im Sommer 1962 zu den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik gereist war, um zeitgenössische ästhetische Strömungen zu studieren, zählte die Begegnung mit Pierre Boulez, Karlheinz Stockhausen und Bruno Maderna ganz gewiss in diese Kategorie: Was ihm bei seiner...
Persien, vor langer Zeit. Ein grausames Gesetz gebietet, dass das erstgeborene Kind des Sultans stets ein Junge sein müsse, das zweite ein Mädchen. Sollte dero allerhöchste Fortpflanzungs -lotterie andere Resultate zeitigen, sind diese sofort blutig zu beseitigen. Vor rund zwanzig Jahren ist der Sultanin Pantea das Missgeschick passiert, zuerst eine Tochter, dann...
