Schwestern im Geiste

Kateryna Sokolova hält in Nürnberg Ausschau nach opernhistorischen Parallelen zu Puccinis «Turandot». Ein Aha-Erlebnis

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Theoretisch müsste jetzt das große Duett kommen. «Donna reale», die Anrufung der hohen Frau, und dann, von vielen vokalen Girlanden durchzogen, die Widerspiegelung einer heißen, jedoch unmöglichen Beziehung. Aber wir sind ja nicht bei Donizetti, obwohl Elisabetta I. und Roberto Devereux auf der Bühne stehen. In Puccinis «Turandot» erfolgt der Rückblick der Angebeteten auf eine traumatisierte Kindheit: «In questa reggia», es ist der Monolog der Prinzessin, an dessen Ende sich das Paar zum gemeinsamen hohen, brünstigen Fortissimo-C schraubt.

Was beide Stücke miteinander zu tun haben? Musikalisch nichts. Aber die «jungfräuliche Königin», wie sie genannt wurde, die ihre einzige Ehe mit dem Staat einging, und die sich gegen Männer verpanzernde chinesische Prinzessin – da lassen sich viele Parallelen entdecken. Die Irritation am Staatstheater Nürnberg weicht also einem Aha-Erlebnis. Und noch weitere Schwestern im Geiste entdeckt Regisseurin Kateryna Sokolova. Frauen, die in Männerwelten kaum bestehen können, die an der Unmöglichkeit von Beziehungen zum anderen Geschlecht leiden, manchmal sogar tödlich scheitern. Also sehen wir auch die Holofernes mordende Judith, Medusa und auch Eva, ...

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Opernwelt März 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Markus Thiel

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