Schwarze Witwe
Als Donizettis «Don Pasquale» 1843 uraufgeführt wurde, kam dem Rezensenten der «Leipziger Illustrirten Zeitung» die äußerliche Handlung reichlich abgestanden vor. Der alte Geizhals Don Pasquale, der sich eine junge Frau angelt, um dann unter ihren Pantoffel gestellt zu werden, sei der «Schatten eines längst Abgestorbenen, den man vergessen hat zu beerdigen, und der [...] wie ein verdammter Geist über alle Theater Italiens einherwandelt».
An manchen Stereotypen der Handlung und der Charaktere mögen wir uns heute weniger stören, weil die Massenproduktion, in deren Kontext der Kritiker Donizettis Stück zu sehen wusste, zum Großteil vergessen ist. Dafür stellt sich im Zeitalter der politischen Korrektheit die grundsätzliche Frage, ob es statthaft ist, sich über eine Heirat altersmäßig ungleicher Partner zu amüsieren oder die Rollenklischees des Stücks zu bedienen.
Es ist ehrenwert, dass sich der Regisseur Hinrich Horstkotte diesem Problem stellt. Dabei sucht er die Lösung nicht in der Verharmlosung, sondern in der Zuspitzung: Er lässt den weltfremden Don Pasquale, den er zunächst wie einen verlotterten Einstein ausstaffiert, zum Opfer seiner mafiösen Umgebung werden. Die begehrte ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2015
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Carsten Niemann
Frau Schneider, wie kam es eigentlich zum Fachwechsel?
Das hat sich so ergeben, da bin ich reingewachsen. Ich dachte immer, ich singe die Königin, bis ich 50 bin ... Die Stimme hat sich allerdings anders entwickelt, und ich bin gottfroh darüber. Die Donna Anna in Stuttgart wollte ich damals adäquater singen, breiter, dicker im Ton. Das war der erste Schritt. Noch...
Ob das Städtchen wirklich existiert, jener Küstenort, zu dem der Pariser Buchhändler Michel sich aufmacht? Den Bahnhof, auf dem er ankam, gibt’s schließlich bald auch nicht mehr. Michel ruht nicht eher, bis er die junge Frau wiederfindet, die er drei Jahre zuvor hat singen hören: ein Liebeslied, das durch ihr geöffnetes Fenster zu ihm drang. Doch womöglich ist auch...
Stanislaw Lem sah die vielen Bearbeitungen seines Sci-Fi-Romans «Solaris» von 1961 mit Skepsis. «Alles Interessante an meinem Roman bezog sich auf das Verhältnis der Menschen zu diesem Ozean als einer nicht-humanoiden Intelligenz – nicht auf irgendwelche zwischenmenschlichen Liebesgeschichten», bemerkte er 2001 zu Steven Soderberghs Verfilmung. Selbst Tarkowskis...
