Warten am Fluss
Es war ein Triumph des entfesselten Theaters, dieser erste Teil der Doppeluraufführung zweier Einakter des bislang mehr als Dirigent denn als Komponist hervorgetretenen Johannes Harneit. Unablässig bewegten sich die Hubpodien, hievten Chormassen auf die Szene und entsorgten sie dann wieder im Untergrund.
Was Peter Konwitschny und sein Bühnen- und Kostümbildner Helmut Brade an atemraubend virtuosen Auftritten und plakativen Bildern vor den Augen der Zuschauer abrollen ließen, war nicht Theater als ästhetisierender Selbstzweck, aber auch nicht Theater mit dem politischen Holzhammer, wie Äußerungen im Vorfeld der Premiere befürchten ließen. Konwitschny, der mit gezügelter Fantasie streng den allerdings arg raunenden Andeutungen des collageartigen Librettos wie den Vorgaben der Partitur folgte, knüpfte vielmehr mit der Gratwanderung zwischen geschärfter Aktualität und spielerischer Überzeichnung an seine gemeinsam mit Harneit und Brade verantwortete Hannoveraner Inszenierung von Luigi Nonos Revolutionsoper «Al gran sole carico d’amore» an (siehe OW 7/2004).
Nono ist denn auch der Pate der beiden Einakter, der Tragödie «Abends am Fluss» und des Satyrspiels «Hochwasser», die Konwitschny ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2015
Rubrik: Politisches Musiktheater, Seite 22
von Uwe Schweikert
Ein falscher Fuffziger, dieser Siegfried. Zwar erklärt er, «ihrem Manne gehorchte Brünnhild eine volle bräutliche Nacht», doch als Gutrune eifersüchtig zu bedenken gibt, dass er ja selbst in Gestalt dieses Mannes Gunther um die Walküre geworben hatte, antwortet er kryptisch: «So nah – war Brünnhild ihm fern». Banal gesagt: «Okay, Honey, ich hab mit ihr geschlafen –...
Erik Petersen hat in Magdeburg seine Bühnenkarriere gestartet, als Jugendlicher, in der Statisterie. Nach einigen beruflichen Umwegen und anschließenden Lehrjahren beim Musical-Spezialisten Gil Mehmert ist der 27-Jährige nun als Regisseur an «sein» Theater zurückgekehrt und hat mit Gespür für Timing und Spaß am Slapstick George Gershwins «Crazy for You» inszeniert...
Jubilare
Fiorenza Cossotto studierte am Konservatorium von Turin und setzte ihre Ausbildung an der Mailänder Scala fort, bevor sie dort 1957 bei der Uraufführung von Poulencs «Dialogues des Carmélites» in der Partie der Sœur Mathilde debütierte. Ein Jahr später folgte ihr internationales Operndebüt als Giovanna Seymour in Donizettis «Anna Bolena» beim Wexford...
