Helden, Jungfrauen, Liebhaber

Sonya Yoncheva, Bryan Hymel und Piotr Beczala fühlen sich in die Klangwelten der französischen Oper ein

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Seit sechs Jahrzehnten gibt es für die Hauptwerke der französischen Oper des 19. Jahrhunderts keine rein muttersprachlichen Ensembles mehr, stellt Jürgen Kesting im Booklet zu Piotr Beczalas «The French Collection» fest. Wo aber «nurmehr eine Versammlung polyglotter Sänger» Gounod, Massenet und Bizet interpretiere, beklagt der Stimmspezialist, gingen «die Merkmale eines spezifischen nationalen Stils» immer mehr verloren. Die Kardinaltugend ist für die Franzosen in allen kulturellen Gattungen die clarté, also die Klarheit.

Bezogen auf die Musik heißt das: Die melodische Linie soll stets aus dem natürlichen Sprachfluss entstehen. Wobei der Deutlichkeit der Aussprache ein höherer Stellenwert zugemessen wird als der puren Schönheit des Tons.

Um diesem Ideal nachzuspüren, sich in die Eigenheiten der ars gallica einzufühlen, muss man allerdings nicht zwingend auf dem Boden der Grande Nation zur Welt gekommen sein, wie aktuell eine Bulgarin, ein Pole und ein Amerikaner beweisen. Sonya Yoncheva hört man zwar an, dass sie vor allem mit italienischem Repertoire aufgewachsen ist, wenn sie selbstsicher das «E strano» aus der «Traviata» darbietet oder Mimìs Arie aus dem dritten «Bohème»-Akt, ...

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Opernwelt April 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Frederik Hanssen

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