Schwarze Wasser
Das Bild, man kann es nicht anders sagen, ist trostlos. Einsam und verlassen, im eleganten, schwarzglitzernden Kleid, die Haare halbhoch getürmt, hockt Katerina Ismailowa in der Dunkelheit vor dem Hintereingang eines Varieté-Theaters, begleitet nur vom elegischen Gesang der Soloklarinette, von sehnsüchtigen Violinen und zarten Flötenterzen, so als habe das Leben sie hier abgestellt.
Und mag man auch Boris Timofejewitsch, ihren tyrannischen Schwiegervater, noch nicht sehen, hören kann man ihn schon – in der knarzenden Linie des Fagotts über dem monoton stampfenden Streicher-Pizzicato, mit der die Klarinette unsanft aus dem Feld geräumt wird. Betrachtet man Katerina, scheint es, als würde jener Philosoph Recht behalten, der das Subjekt einmal als unrettbar verloren bezeichnete. Und zu allem Überfluss prangt über dem Portal des Varieté-Theaters auch noch das Gemälde jenes Mannes, dessen Schreckensherrschaft noch in die kleinsten (Kunst-)Stuben hineinreichte: Josef Wissarionowitsch Stalin.
Das spartanische Bühnenbild, das Mathis Neidhardt für das erste Bild von Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk» ins Theater Hagen gesetzt hat, ist nicht anders denn genial zu nennen. Und auch ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Jürgen Otten
Ein finsteres Geheimnis umgibt die Felsenhöhle, Mimes und seines Ziehsohns Siegfrieds Wohnstatt. Wenn man es auch nicht zwingend sieht – hören kann man es im Vorspiel zu «Siegfried». Schwer fallen die Fagott-Terzen eine Septim herunter auf den tremoli-bebenden Boden. Unheil bahnt sich an, und wenn das Orchester der Bayreuther Festspiele im zartesten pianissimo die...
Beethovens einzige Oper «Fidelio» hat schon vieles über sich ergehen lassen müssen: Kürzungen, Striche, Umstellungen, neu geschriebene Dialoge – und seit Wieland Wagners Stuttgarter Inszenierung 1954 oft auch deren kompletten Ersatz durch verbindende literarische Zwischentexte. Zum Beethoven-Jahr 2020 (wegen Corona erst jetzt uraufgeführt) verpasste ihr die...
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