Schwarze Löcher
Den verletzten Bullen hatten wir schon. Den dumpfen Angstbeißer, auch den freundlichen Onkel, hinter dessen Empathie-Fassade das Grauen lauert. Aber diese Version von Peter Grimes scheint neu und interessiert uns schon mal prinzipiell. Ein Freak. Irgendwo zwischen Woodstock und Oberammergau. Ein sonderlicher Aussteiger, der in einer Höhle am rechten Bühnenrand haust, die Spießbürger des Dorfes verachtet und weiland – als die Partei noch frisch und frech war – wahrscheinlich die Grünen gewählt hätte.
Am Staatstheater Augsburg bewegt dieser Peter aber nur den Mund.
Richard Furman, während der Proben für Jacques le Roux eingesprungen, ist in der Premiere indisponiert und lässt sich vom Kollegen Peter Marsh vokal doubeln. Beide machen das ganz ausgezeichnet. Furman, der sich mit Lust in seine eigenwillige Charakterstudie stürzt, und Marsh, der Grimes mit sehrendem, klug am Text orientiertem Tenor und ohne Helden-Attitüde singt. Doch so sehr man diesen Titelhelden den Abend über verfolgt: Richtig nahe rückt er einem nicht. Wie sich überhaupt die Frage stellt, ob Regisseur Dirk Schmeding, bei aller Lust an der Rollenzeichnung, Grimes nicht eine Spur zu kleinformatig geraten ist. Warum ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 7 2022
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Markus Thiel
Das französische Wort «traversée» besitzt im Deutschen verschiedene Bedeutungen. Gemeint sein kann damit sowohl das Überqueren eine Brücke, das Durchschwimmen eines Flusses, aber auch ein Flug übers Gebirg’ hinweg. Für Patricia Petibon und Andrea Marcon bedeutet es, wie der italienische Dirigent in einem kleinen Beitrag für das Booklet des Albums «La Traversée»...
Es war die Renaissance des romantischen und des klassischen Belcanto-Repertoires, die seit Beginn der 1960er-Jahre zur Nachfrage nach wendigen Mezzo- und Altstimmen führte – insbesondere für etliche der zentralen Partien von Gioachino Rossini, dessen Opern in den sechs, sieben Jahrzehnten zuvor Opfer der Tradition, also der «Schlamperei» (Gustav Mahler), geworden...
Die Oper hält, was der Titel verspricht. «Lieder von Vertreibung und Nimmerwiederkehr». Damit beginnt die Münchner Musiktheaterbiennale, Bernhard Gander hat die Musik dafür geschrieben, Serhij Zhadan, geboren im gerade vom Krieg verwüsteten Luhansk, den Text. Natürlich entstand das Werk weit vor dem Beginn von Putins Irrsinn, aber was einem nun mit harschen,...
