Ins Innere der Seele
Das französische Wort «traversée» besitzt im Deutschen verschiedene Bedeutungen. Gemeint sein kann damit sowohl das Überqueren eine Brücke, das Durchschwimmen eines Flusses, aber auch ein Flug übers Gebirg’ hinweg.
Für Patricia Petibon und Andrea Marcon bedeutet es, wie der italienische Dirigent in einem kleinen Beitrag für das Booklet des Albums «La Traversée» durchaus poetisch darlegt, noch etwas Größeres: eine Reise, die insbesondere von persönlichen Spannungen und Empfindungen bestimmt ist, durch mehrere Jahrhunderte der Musikgeschichte führt und dabei die Gefühlswelten der französischen Sopranistin ans Licht bringt – mithin als ein in Töne gefasstes Psychogramm einer Künstlerinnenseele zu verstehen ist.
Diese Seele wandert gleichsam durch die Epochen, vom Ende des 16. Jahrhunderts bis zu Giuseppe Verdi (und zu dessen «Les Vêpres siciliennes» und Hélènes flammenden Appell «Ami! Le cœur d‘Hélène»). Ausgangspunkt für Petibons facettenreiche Selbsterkundung bildet die «Passacaglia della vita» von Stefano Landi, ein streng gefasstes, melodiös behutsames Stück, das sie mit betonter Zurückhaltung singt, äußerst vorsichtig, distanziert-distinguiert. Schon hier wird eine Eigenart ...
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Opernwelt 7 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 36
von Jürgen Otten
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