Gute Freunde
Die Oper hält, was der Titel verspricht. «Lieder von Vertreibung und Nimmerwiederkehr». Damit beginnt die Münchner Musiktheaterbiennale, Bernhard Gander hat die Musik dafür geschrieben, Serhij Zhadan, geboren im gerade vom Krieg verwüsteten Luhansk, den Text. Natürlich entstand das Werk weit vor dem Beginn von Putins Irrsinn, aber was einem nun mit harschen, archaischen Klängen, mit peitschenden Rhythmen und krachender Wucht eingehämmert wird, wirkt wie ein unmittelbarer Kommentar zum Weltgeschehen – so aktuell politisch kann Musiktheater sein.
Ganders Werk wäre immer politisch, dazu braucht es keinen aktuellen Krieg. Es ist ein Requiem für alle, die ihre Heimat verlieren, vertrieben werden, nicht mehr zurückkönnen. Es braucht dafür drei Solisten, eine (überpathetische) Schauspielerin, einen kleinen Chor sowie die Handvoll Musiker vom Ensemble Modern, angeleitet von Elda Laro. Strukturell und thematisch ist diese Oper prädestiniert dafür, nachgespielt zu werden, vielleicht auch subtiler inszeniert als hier in der Münchner Muffathalle. Die diesjährige Ausgabe der Musiktheaterbiennale trägt den Titel «Good Friends», was naheliegenderweise die Kollaboration der Künstler meint, die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 7 2022
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Egbert Tpoll
Benjamin Bernheim, der neue französische Tenorstar, widmet sein zweites Recital dem «Boulevard des Italiens». In Paris mit einer französischen Oper zu reüssieren, war seit den frühen 1770er-Jahren das Wunschziel jedes italienischen Komponisten. Die von Verdi sarkastisch als «grande boutique» apostrophierte Opéra geriet unter italienischen Einfluss, zugleich änderte...
Ich sah Hectors Schatten wie einen einsamen Wächter über unsere Wälle schreiten», das singt Cassandre in ihrem großen Auftritts-Air im ersten Akt, nachdem der gläsern-luftige Chor der Trojaner, die sich der Illusion des Kriegsendes begierig hingeben, in schrillen Bläserfanfaren jäh verklungen ist. Jubelchöre, Staatsaktionen und hysterische Massenbegeisterung, die...
Der Dichter spricht. Und mahnt: «Herr: Es ist Zeit.» Angesichts der gegenwärtig so unbarmherzigen Geschehnisse kommen dem Nachdenklichen Rilkes bekannte Zeilen in den Sinn. Wobei man sich auch fragen mag, ob die dominierende materialistische Ausrichtung unseres Lebens und Denkens nicht für die Krisen (Klima, Krankheit, Krieg) zumindest mitverantwortlich ist. Auf...
