Gute Freunde
Die Oper hält, was der Titel verspricht. «Lieder von Vertreibung und Nimmerwiederkehr». Damit beginnt die Münchner Musiktheaterbiennale, Bernhard Gander hat die Musik dafür geschrieben, Serhij Zhadan, geboren im gerade vom Krieg verwüsteten Luhansk, den Text. Natürlich entstand das Werk weit vor dem Beginn von Putins Irrsinn, aber was einem nun mit harschen, archaischen Klängen, mit peitschenden Rhythmen und krachender Wucht eingehämmert wird, wirkt wie ein unmittelbarer Kommentar zum Weltgeschehen – so aktuell politisch kann Musiktheater sein.
Ganders Werk wäre immer politisch, dazu braucht es keinen aktuellen Krieg. Es ist ein Requiem für alle, die ihre Heimat verlieren, vertrieben werden, nicht mehr zurückkönnen. Es braucht dafür drei Solisten, eine (überpathetische) Schauspielerin, einen kleinen Chor sowie die Handvoll Musiker vom Ensemble Modern, angeleitet von Elda Laro. Strukturell und thematisch ist diese Oper prädestiniert dafür, nachgespielt zu werden, vielleicht auch subtiler inszeniert als hier in der Münchner Muffathalle. Die diesjährige Ausgabe der Musiktheaterbiennale trägt den Titel «Good Friends», was naheliegenderweise die Kollaboration der Künstler meint, die ...
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Opernwelt 7 2022
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Egbert Tpoll
Der Bischof und später kurzzeitig amtierende Kardinal Clemens August Graf von Galen (1878–1946) ist fast so etwas wie ein Münsteraner Heiliger. Ein Held – und doch ein eigentlich dem Nationalismus äußerst zugetaner Verdränger. Seliggesprochen wurde er 2005 «trotzdem». Im Nationalsozialismus war Galen großem politischen Druck ausgesetzt. In drei großen Predigten...
Im Januar 1907 stürmt eine höchst energische Britin in das Büro des jungen Kapellmeisters Bruno Walter in der Wiener Staatsoper und zwingt ihn, unerbittlich von seinem Klavier Besitz ergreifend, eine ganze Oper über sich ergehen zu lassen: «The Wreckers», ein finsteres, an der Küste von Cornwall spielendes Stück um eine verbrecherische Methodistengemeinde, die...
Der Dichter spricht. Und mahnt: «Herr: Es ist Zeit.» Angesichts der gegenwärtig so unbarmherzigen Geschehnisse kommen dem Nachdenklichen Rilkes bekannte Zeilen in den Sinn. Wobei man sich auch fragen mag, ob die dominierende materialistische Ausrichtung unseres Lebens und Denkens nicht für die Krisen (Klima, Krankheit, Krieg) zumindest mitverantwortlich ist. Auf...
