Personen im Gleis
Der Siegeszug der Eisenbahn hat im Musiktheater bemerkenswert schmale Spuren hinterlassen – anders als in der absoluten Musik, man denke nur an Arthur Honeggers «Pacific 231«, ganz zu schweigen von Film und Literatur, wo Bahnhöfe als Orte der Sehnsucht und dramatischer Wendungen spätestens seit Tolstoi gesetzt sind, und von der Pop-Musik, in der (Sonder-)Züge nach Nirgendwo fahren oder nach Pankow. Immerhin bei Ernst Kreneks Jazzoper «Jonny spielt auf» spielt wenigstens eine ganze Szene auf dem Bahnhof, mit unzufriedenen Zugreisenden und sogar einem Eisenbahnunglück.
Seit Mitte Oktober gibt es nun endlich ein Bühnenwerk, das ausschließlich an einer Bahnstation spielt, in nicht näher bestimmter, aber offenbar sehr weit zurückliegender Zeit, an einem Ort namens Alpos, einem fiktiven Zwergfürstentum im Herzen Europas.
Sein Schöpfer, der Komponist Krzysztof Meyer, war Schüler von Penderecki, Nadia Boulanger und Lutosławski, zudem Assistent von Schostakowitsch, dessen Biografie er schrieb und von dessen unvollendeter Oper «Der Spieler» er den dritten Akt komponierte. An der Kölner Musikhochschule bekleidete Meyer außerdem lange Zeit eine Professur für Komposition. Der Schriftsteller ...
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Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Regine Müller
Musentempel
Es ist eine stolze Zahl: Seit der Gründung des New National Theatre Tokyo im Februar 1997 hat das Haus 650 Produktionen auf die Bühne gebracht, in den Sparten Oper, Zeitgenössischer Tanz und Schauspiel. Nun kommt am NNTT Verdis Drama «Simon Boccanegra» heraus, Regie führt Pierre Audi. Welche Philosophie dahintersteckt?
Wir fragen nach
Wegbereiter
Mit...
Vor 20 Jahren hat François-Xavier Roth sein französisches Projekt-Orchester «Les Siècles» gegründet und damit den Blick der authentischen Aufführungspraxis weit ins vorige Jahrhundert ausgedehnt. Anders als die Barock-Ensembles spielen die Musiker nicht auf nachgebauten Instrumenten, sondern auf Originalen des späten 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, für die...
Für Alban-Berg-Süchtige ist der typografisch ansprechend gestaltete Band im Kunstkatalogformat eine Fundgrube. Man kann diesem Komponisten, dem als Einzigem das Kunststück gelang, die Rechenexempel der Dodekaphonie mit der todessüchtigen Dekadenz der Spätromantik zu versöhnen, in allen Lebenslagen folgen – vom Kinderbild des Zweijährigen bis zur letzten Fotografie...
