Auf tönernen Füßen
Deutschland 1923. Eine Nation ist in Nöten. Ist es, mit zunehmender Dauer dieses Jahres, immer mehr. Die Inflation, die längst keine normale Preissteigerung ist, sondern Züge des Absurden trägt, zwingt das Land in die Knie, Lebensmittel werden knapp und knapper, die Ökonomen sind ratlos, die Folgen der gewaltigen Reparationszahlungen nicht mehr zu bändigen, auch die politisch-soziale Stabilität ist spätestens mit dem Einmarsch französischer und belgischer Truppen ins Ruhrgebiet kaum noch gewährt.
Und am Horizont erscheint mit Adolf Hitler ein Mann, der nicht nur das gesamte Land, sondern Millionen von unschuldigen Menschen in den Abgrund stürzen wird. Mag sein Putsch -versuch in diesem Jahr auch scheitern, Hitlers Gift tröpfelt unaufhaltsam in die Volksseele hinein.
Ein Mann lässt sich weder davon noch von der misslichen Gesamtlage beeindrucken. Doch ist Karl Vötterle auch nicht so vermessen zu glauben, er könne die akademische Verlagswelt im Sturm erobern. Sein Beginnen ist bescheiden. Im September 1923 bringt der Sohn eines Maurers und gelernte Buchhandelsgehilfe erstmals die «Finkensteiner Blätter» heraus, ein achtseitiges Volksliedheft. Das ist, im Verhältnis zu den ...
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Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Jan Verheyen
Das Café Central, lesen wir bei Alfred Polgar, sei «kein Caféhaus wie andere Café-häuser, sondern eine Weltanschauung, und zwar eine, deren innerster Inhalt es ist, die Welt nicht anzuschauen». Auf der Bühne des Musiktheaters an der Wien im Museumsquartier sieht man jedenfalls genau das Café Central. Mit großer Liebe zum Detail hat Silke Bauer das altehrwürdige,...
Vor 20 Jahren hat François-Xavier Roth sein französisches Projekt-Orchester «Les Siècles» gegründet und damit den Blick der authentischen Aufführungspraxis weit ins vorige Jahrhundert ausgedehnt. Anders als die Barock-Ensembles spielen die Musiker nicht auf nachgebauten Instrumenten, sondern auf Originalen des späten 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, für die...
Aber darum geht es mir eben nicht, liebe Ellice!» – Mitten im Gespräch beginnt sie, die neue Oper des Komponisten Manfred Trojahn für die Deutsche Oper am Rhein. Mit einer Widerrede. Gegen eine eigene Aussage oder gegen ihre? Das bleibt links des Notenschlüssels verborgen, doch die Ich-Perspektive des Protagonisten Osbert Brydon ist gesetzt, erst in Takt 28 rückt...
