Schubert & Co.
Im Sommer hat das Haus Kettenbrückengasse Nr. 6, in dem Franz Schubert 1828 verstorben war und wo er davor unter anderem an der «Winterreise» gearbeitet hatte, etwas spitzweghaft Romantisches, atmet das Flair eines «alten Wien» aus dem Bilderbuch. Im Winter nun ist alles grau. Krähen sind auch da. Zwar werfen sie keine «Bäll’ und Schloßen» auf meinen Hut, doch der kalte Wind fährt einem auch bei bestmöglicher Verhüllung durch alle Glieder. Wien kann so depressiv machen im Winter. Zu Schuberts Zeiten dürfte es nicht anders gewesen sein. Eher noch schlimmer.
Die Winterkälte freilich war für Schubert weniger Ausdruck unmittelbar körperlichen Unbehagens als eines seelischen Zustands der inneren Vereinsamung. Doch diente das Symbol «Winter» dem Komponisten vor allem, weit über jahreszeitliche Gefühle und individuelle Befindlichkeiten hinaus, als deutliche Chiffre für die Restauration Metternichs. Schubert hatte, wie man weiß, Verbindung zu Oppositionellen. Der Dichter Wilhelm Müller in Dessau auch; er war Meister der verschlüsselten politischen Metaphorik, publizierte in der Leipziger Literaturzeitschrift «Urania», wo Schubert sie entdeckte. Die Zeitschrift war verboten, ihr Besitz ...
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