Countdown der Rache
Es hätte der Eröffnungspaukenschlag werden können für das neue Opernhaus in Kopenhagen: eine «Elektra» inszeniert von Peter Konwitschny. Man könnte kaum deutlicher internationale Ambitionen demonstrieren. Der deutsche Stargast hielt, was sein Name verspricht. Er reißt nicht nur mit sezierendem Blick eine szenische Fallhöhe vom Archaischen ins Alltägliche auf, sondern setzt das auch noch spielerisch um. Es beginnt mit einem Vorspiel im Bad: Man sieht Vater Agamemnon mit den Kindern, die den Mord miterleben müssen, der sie prägt und ihr restliches Leben so oder so bestimmt.
Vom ersten Ton an läuft eine rote Digitaluhr über der Wolkenprojektion im Hintergrund rückwärts auf den Rachemord an der Mutter zu. Bei dazu projiziertem Feuerwerk verliert dann das gesamte (durch alle möglichen heutig gekleideten Statisten verstärkte) «Elektra»-Personal sein Bühnenleben. Das ist eine überzeugende «Pointe», trotz der fragwürdig untergemischten Maschinengewehrsalven. Das Rachedrama entfaltet sich auf leerer Bühne zwischen der Badewanne mit dem stets präsenten und manchmal sogar eingreifenden Agamemnon und einer Couchgarnitur fürs Familiendrama. Die Uhr ist abgelaufen, wenn auch Klytämnestra tot ...
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