Glück, das mir verblieb...
Wenn es so etwas wie einen amerikanischen Verismus gibt, dann zählt Samuel Barbers Opernerstling «Vanessa» zweifelsohne zu dessen ambitioniertesten Exponenten. Nicht, dass die zwischen dem psychologischen Realismus eines Henry James und den abgründigen Phantasmen der «gothic novel» angesiedelte Dreiecksgeschichte, die Gian Carlo Menotti nach Motiven von Karen Blixen für seinen Lebensgefährten schrieb, die musikalische Identität Nordamerikas stilbildend geprägt hätte.
Barbers Hang zum großen Sentiment, sein demonstrativ an Puccini und Strauss orientierter Romantizismus muss schon 1958, dem Jahr der Uraufführung in New York, wie eine nostalgische Verbeugung vor dem alten Europa geklungen haben. Und doch weht durch dieses Kammerspiel im Cinemascope-Format der Atem eines erz-amerikanischen Freigeistes, der in der Wahl seiner Ausdrucksmittel keine Hemmungen kennt, so lange sie ihren emotiven Zweck erfüllen.
Da hält etwa ein feinmaschiges Netz chromatischer Intervalle die um ihre lang verflossene Liebe trauernde Titelheldin musikalisch gefangen. Sekund- und Quartsprünge bietet Barber auf, um deren Nichte Erika zu porträtieren – eine junge Frau, die mit Anatol, dem Sohn des nur noch ...
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Im Westen nichts Neues. Nach wie vor ungewiss bleibt die Zukunft des Saarbrücker Staatstheaters. Ungeachtet des massiven öffentlichen Protests besteht der saarländische Kultusminister Jürgen Schreier auf der drastischen Reduktion des Theateretats um (fast) 25 Prozent (von derzeit 24,5 auf 18,5 Millionen Euro) bis 2009, die das Haus praktisch in die Knie zwingen...
Dass Sergej Rachmaninows Puschkin-Adaption «The Miserly Knight» («Der geizige Ritter») im Repertoirebetrieb nie eine feste Größe wurde, dürfte kaum auf die musikalische Faktur des 1906 am Moskauer Bolschoi Theater uraufgeführten Einakters zurückzuführen sein. Denn zweifellos trägt diese – nach «Aleko» (1892) und zeitgleich mit «Francesca da Rimini» vollendete –...
Der Mann hatte viel um die Ohren. Sechsunddreißig Kinder im wirklichen Leben. Allerdings nur sechzehn auf der Bühne – «die unehelichen nicht eingerechnet», wie es heißt. Pali Rácz, der alte Zigeunerprimas – im wahrsten Wortsinne –, ist der Protagonist jener Operette, die Emmerich Kálmáns Durchbruch als Bühnenkomponist im Jahre 1912 bedeutete. Rácz, dessen...
