Glück, das mir verblieb...
Wenn es so etwas wie einen amerikanischen Verismus gibt, dann zählt Samuel Barbers Opernerstling «Vanessa» zweifelsohne zu dessen ambitioniertesten Exponenten. Nicht, dass die zwischen dem psychologischen Realismus eines Henry James und den abgründigen Phantasmen der «gothic novel» angesiedelte Dreiecksgeschichte, die Gian Carlo Menotti nach Motiven von Karen Blixen für seinen Lebensgefährten schrieb, die musikalische Identität Nordamerikas stilbildend geprägt hätte.
Barbers Hang zum großen Sentiment, sein demonstrativ an Puccini und Strauss orientierter Romantizismus muss schon 1958, dem Jahr der Uraufführung in New York, wie eine nostalgische Verbeugung vor dem alten Europa geklungen haben. Und doch weht durch dieses Kammerspiel im Cinemascope-Format der Atem eines erz-amerikanischen Freigeistes, der in der Wahl seiner Ausdrucksmittel keine Hemmungen kennt, so lange sie ihren emotiven Zweck erfüllen.
Da hält etwa ein feinmaschiges Netz chromatischer Intervalle die um ihre lang verflossene Liebe trauernde Titelheldin musikalisch gefangen. Sekund- und Quartsprünge bietet Barber auf, um deren Nichte Erika zu porträtieren – eine junge Frau, die mit Anatol, dem Sohn des nur noch ...
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Schmettern wie Metternich. Davon dürften viele geträumt haben, die das dramatische Baritonfach singen wollten. Einmal solche Töne rausschleudern wie Metternich am Ende des «Bajazzo»-Prologs oder im Te Deum des Scarpia. Doch wie Birgit Nilsson, Franco Corelli oder Leonie Rysanek war Metternich ein stimmlicher Sonderfall, nach den Regeln klassischer Gesangskunst und...
Vor der Uraufführung im Dezember 1905 halfen nur Drohungen. Richard Strauss war enttäuscht über das unzureichende Engagement der Sänger am Dresdner Königlichen Opernhaus und behielt sich vor, die erste Realisierung nach Leipzig oder Wien zu verschieben – zwei Häuser, die schon nach der «Salome» gierten. Dass derselbe Komponist später von Dresden als einem «Dorado...
Die Konzertmuschel, die die Drehbühne füllt, grünt pistazienpastell. Die Liegestühle davor sind zahnpastamintfrisch bespannt, der Rundhorizont dämmert oliv – als ob Ang Lees grüner Superheld Hulk auf der Bühne der Komischen Oper zerplatzt wäre. Davor leuchtet es bonbonrosa, hellblau, lila, gelb, knallpink, türkis. Petticoats, Turmfrisuren, viel Kleinkariertes,...
