Dem Publikum entgeg(n)en
Erfolg macht süchtig. Auch Komponisten. Zugleich schafft er Neider. Er provoziert den Vorwurf, dem Publikum entgegenzukommen, künstlerische und intellektuelle Anforderungen zu senken: Was vielen gefalle, könne keinen Anspruch mehr haben. Nur das schwer Zugängliche sei ästhetisch wertvoll und die Sensation lediglich ein Phänomen, das Soziologie und Mentalitätsgeschichte interessiere. Allein auf sich selbst habe ein Komponist zu hören, nicht aber Wünschen und Erwartungen des Marktes zu entsprechen, diese gar zu bedienen.
Doch wer einmal erfolgreich ein Werk platziert, ist nicht mehr frei von Gesetzen und Mechanismen des Kunstbetriebes. Nicht allein das Publikum verlangt nach mehr, auch der Markt will bedient sein: Intendanten und Produzenten benötigen nicht erst in einer Welt der Massenkultur und -medien immer wieder (und stets erneut) leicht verkäufliche Kultur. Umgekehrt steht der Komponist rasch für ein bestimmtes Idiom, das zu ändern nicht leicht ist. Bestenfalls vermag er noch mit dessen Varianten trendsetzend zu wirken. Viel eher aber wird man seinen Versuchen, andere Facetten zu entwickeln, mit Unverständnis begegnen. So macht es schon die Gegenwart, erst recht die ...
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Schmettern wie Metternich. Davon dürften viele geträumt haben, die das dramatische Baritonfach singen wollten. Einmal solche Töne rausschleudern wie Metternich am Ende des «Bajazzo»-Prologs oder im Te Deum des Scarpia. Doch wie Birgit Nilsson, Franco Corelli oder Leonie Rysanek war Metternich ein stimmlicher Sonderfall, nach den Regeln klassischer Gesangskunst und...
Dass Sergej Rachmaninows Puschkin-Adaption «The Miserly Knight» («Der geizige Ritter») im Repertoirebetrieb nie eine feste Größe wurde, dürfte kaum auf die musikalische Faktur des 1906 am Moskauer Bolschoi Theater uraufgeführten Einakters zurückzuführen sein. Denn zweifellos trägt diese – nach «Aleko» (1892) und zeitgleich mit «Francesca da Rimini» vollendete –...
In groß angelegten Biografien spielt Wagners Würzburger Jahr (Januar 1833 bis Januar 1834) meist nur eine untergeordnete Rolle: Als, laut eigener Aussage, dilettierender Chordirektor, lernte er den Repertoirebetrieb kennen. Theatermacher galten damals noch als eine Art Gaukler, und es sollte noch dauern, bis sie aus den unteren sozialen Schichten aufsteigen...
