Dem Publikum entgeg(n)en
Erfolg macht süchtig. Auch Komponisten. Zugleich schafft er Neider. Er provoziert den Vorwurf, dem Publikum entgegenzukommen, künstlerische und intellektuelle Anforderungen zu senken: Was vielen gefalle, könne keinen Anspruch mehr haben. Nur das schwer Zugängliche sei ästhetisch wertvoll und die Sensation lediglich ein Phänomen, das Soziologie und Mentalitätsgeschichte interessiere. Allein auf sich selbst habe ein Komponist zu hören, nicht aber Wünschen und Erwartungen des Marktes zu entsprechen, diese gar zu bedienen.
Doch wer einmal erfolgreich ein Werk platziert, ist nicht mehr frei von Gesetzen und Mechanismen des Kunstbetriebes. Nicht allein das Publikum verlangt nach mehr, auch der Markt will bedient sein: Intendanten und Produzenten benötigen nicht erst in einer Welt der Massenkultur und -medien immer wieder (und stets erneut) leicht verkäufliche Kultur. Umgekehrt steht der Komponist rasch für ein bestimmtes Idiom, das zu ändern nicht leicht ist. Bestenfalls vermag er noch mit dessen Varianten trendsetzend zu wirken. Viel eher aber wird man seinen Versuchen, andere Facetten zu entwickeln, mit Unverständnis begegnen. So macht es schon die Gegenwart, erst recht die ...
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Vor rund einer Generation sind Jean-Pierre Ponnelle und Nikolaus Harnoncourt von Zürich aus auf den Planeten Monteverdi gestartet. «Poppea» war damals eine Sache üppigen Barocks. Jetzt ist Harnoncourt – mit einer Zwischenstation in Salzburg 1993, bei der er sich mit Jürgen Flimm als Partner verbündete – mit «Poppea» an die Limmat zurückgekehrt. Diesmal zeigt die...
«Ihre gedichte sind schön, und traurig, aber die idioten, selbst leute, die so tun, als ob sie ‹verstünden›, verstehen nicht.» Diese Zeilen, noch während der Tagung der Gruppe 47 Ende Oktober/Anfang November 1952 auf Burg Berlepsch geschrieben, markieren den Beginn der Freundschaft zweier damals gerade sechsundzwanzigjähriger Künstler, der Dichterin Ingeborg...
Im Sommer hat das Haus Kettenbrückengasse Nr. 6, in dem Franz Schubert 1828 verstorben war und wo er davor unter anderem an der «Winterreise» gearbeitet hatte, etwas spitzweghaft Romantisches, atmet das Flair eines «alten Wien» aus dem Bilderbuch. Im Winter nun ist alles grau. Krähen sind auch da. Zwar werfen sie keine «Bäll’ und Schloßen» auf meinen Hut, doch der...
