Dem Publikum entgeg(n)en
Erfolg macht süchtig. Auch Komponisten. Zugleich schafft er Neider. Er provoziert den Vorwurf, dem Publikum entgegenzukommen, künstlerische und intellektuelle Anforderungen zu senken: Was vielen gefalle, könne keinen Anspruch mehr haben. Nur das schwer Zugängliche sei ästhetisch wertvoll und die Sensation lediglich ein Phänomen, das Soziologie und Mentalitätsgeschichte interessiere. Allein auf sich selbst habe ein Komponist zu hören, nicht aber Wünschen und Erwartungen des Marktes zu entsprechen, diese gar zu bedienen.
Doch wer einmal erfolgreich ein Werk platziert, ist nicht mehr frei von Gesetzen und Mechanismen des Kunstbetriebes. Nicht allein das Publikum verlangt nach mehr, auch der Markt will bedient sein: Intendanten und Produzenten benötigen nicht erst in einer Welt der Massenkultur und -medien immer wieder (und stets erneut) leicht verkäufliche Kultur. Umgekehrt steht der Komponist rasch für ein bestimmtes Idiom, das zu ändern nicht leicht ist. Bestenfalls vermag er noch mit dessen Varianten trendsetzend zu wirken. Viel eher aber wird man seinen Versuchen, andere Facetten zu entwickeln, mit Unverständnis begegnen. So macht es schon die Gegenwart, erst recht die ...
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Die Demonstranten haben ein gewichtiges Anliegen. Stumm betreten sie mitten im Finale des «Fidelio»-Finales die Bühne des Nationaltheaters Weimar und halten dem Publikum ihre selbst gemalten Plakate und Transparente entgegen: «Stirbt Thüringens größter Indoor-Fasching?» und «Rettet unsere Uni-Mensa!» lauten die Fragen und Forderungen, die ihnen auf der Seele...
Die permanente Androhung von Missbrauch, Vergewaltigung und Mord kann Menschen mürbe machen. Auch Cleopatra ist am Ende von Händels «Giulio Cesare» schier wahnsinnig geworden vor Todesangst und kann ihre letzte Arie nur scheinbar fröhlich trällern – wie ein Kind, das es schaudert, in den Keller zu gehen. Diese Cleopatra zittert am ganzen Leib, will sich nicht...
Die Stimme der Stadtführerin steigt leicht und wirkt etwas ungehalten: «Der Balkan beginnt viel weiter unten. Wir hier haben immer zu Mitteleuropa gehört.» Klar, die Bemerkung aus der Reisegruppe war unpassend, wenn auch nicht untypisch: Sie hatte Zagreb schlicht dem Balkan zugeschlagen. Für solche geographisch-kulturelle Ignoranz hat man in Kroatien wenig...
