Dem Publikum entgeg(n)en

Die Weimarer Republik gilt besonders in der Kunst als Zeit des Auf- und Umbruchs. Kreneks «Jonny spielt auf» und Max Brands «Maschinist Hopkins» sorgten für Sensationen auf den Opernbühnen. Richard Strauss schwenkte mit «Intermezzo» auf eine neue Richtung ein, die sich auch bei Schönberg und Hindemith findet. Kurt Weill versuchte, das Genre auf seine Weise zu erkunden und neu zu definieren. Was von den alten Reizen ist geblieben? Wo steckt die wirkliche Innovation? Welche Opern der zwanziger Jahre lohnen eine Wiederbelebung? Michael Heinemann, Musikschriftsteller und Musikwissenschaftler, liefert im Essay unseres Themas einen Über­blick über das Musiktheater eines komplexen Jahrzehnts.

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Erfolg macht süchtig. Auch Komponis­ten. Zugleich schafft er Neider. Er provoziert den Vorwurf, dem Pub­likum entgegenzukommen, künstlerische und intellektuelle Anforderungen zu senken: Was vielen gefalle, könne keinen Anspruch mehr haben. Nur das schwer Zugäng­liche sei ästhetisch wertvoll und die Sensation lediglich ein Phänomen, das Soziologie und Mentalitätsgeschichte interessiere. Allein auf sich selbst habe ein Komponist zu hören, nicht aber Wünschen und Erwartungen des Marktes zu entsprechen, diese gar zu bedienen.


Doch wer einmal erfolgreich ein Werk platziert, ist nicht mehr frei von Gesetzen und Mechanismen des Kunstbetriebes. Nicht allein das Publikum verlangt nach mehr, auch der Markt will bedient sein: Intendanten und Produzenten benötigen nicht erst in einer Welt der Massenkultur und -medien immer wieder (und stets erneut) leicht verkäufliche Kultur. Umgekehrt steht der Komponist rasch für ein bestimmtes Idiom, das zu ändern nicht leicht ist. Bestenfalls vermag er noch mit dessen Varianten trendsetzend zu wirken. Viel eher aber wird man seinen Versuchen, andere Facetten zu entwickeln, mit Unverständnis begegnen. So macht es schon die Gegenwart, erst recht die ...

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Opernwelt April 2005
Rubrik: Thema, Seite 30
von Michael Heinemann

Vergriffen
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