Schritte ins Unbekannte

Konstantin Krimmel und Daniel Heide beleben Lieder von Liszt

Unter den großen Liedkomponisten des 19. Jahrhunderts ist Franz Liszt der unbekannteste und am meisten unterschätzte. 85 Lieder sind von ihm überliefert, vielfach in mehreren stark voneinander abweichenden Versionen – meist schwergängige, herbe, intellektuell, aber auch vokal anspruchsvoll, da weniger vom Gesang als vom Klavier aus erfundene Kompositionen. Als wichtigste gelten die drei umfangreichen, im zweiten Heft der «Années de Pèlerinage» auch als eigenständige Klavierstücke veröffentlichten Petrarca-Sonette.

Bariton Andrè Schuen und Pianist Daniel Heide haben sie 2019 in einer mustergültigen Einspielung als Beginn einer neuen Gesamtedition aller Liszt-Lieder bei Andreas von Imhoffs kleinem, aber feinen Label Avi-Music vorgelegt (OW 12/2019). Jetzt ist dort, wieder pianistisch betreut von Daniel Heide, mit dem jungen, gerade 29-jährigen Bariton Konstantin Krimmel die Fortsetzung erschienen – 19 Lieder auf deutsche Texte, darunter fünf Goetheund sieben Heine-Gedichte. 

Liszt macht fast alles anders als Schubert und Schumann in ihren populären Vertonungen, die er kannte und bewunderte. Seine Balladen – Goethes «König in Thule» oder Heines «Loreley» – schlagen nicht den Volkston ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt 8 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 26
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Wiener Melange

Natürlich kennen sie das Stück, beide. Wer ernsthaft Theater macht oder Oper, hat seinen «Faust» drauf. Und gewiss können sowohl Lotte de Beer als auch Stefan Herheim noch im Traum jene Passage aus dem ersten Akt zitieren, in der die Titelfigur, nächtlich sinnend, der Welten Lauf zu erklären sucht und schließlich jene Eingebung hat, die seither geflügeltes Wort...

Und es quietschten die Sandalen

Verdis «Aida» ist nicht ganz leicht zu inszenieren: ein sehr lautes Werk, mit vielen Chören und viel Kampfgeschrei, gerade zu Beginn. Regisseurin Jasmina Hadžiahmetović lässt den fulminanten Chor des Badischen Staatstheaters Karlsruhe inszenatorisch völlig kritikfrei sein «Guerra! Guerra! Tremenda, inesorata!» brüllen. Befinden wir uns nicht in Kriegszeiten? Warum...

CD des Monats: Leiden und Leidenschaft

Wohl kein Himmelskörper wurde so häufig besungen wie dieser. Zu groß seine Faszination, zu immens seine Ausstrahlung, um nicht die Feder in die Tinte zu tauchen. Die vielleicht schönste Hommage an den Mond schrieb Joseph von Eichendorff: «Es war, als hätt der Himmel / Die Erde still geküsst, / Dass sie im Blütenschimmer / Von ihm nur träumen müsst», so lautet die...