Schreibend über Musik nachdenken
Es war ein milder Spätssommertag, dieser 9. September. Wir saßen in einem Straßencafé an der Place de la Bastille. Skateboard-Fahrer knallten gegen die Betontrassen der Opéra, es roch nach Verkehr und süßen Crêpes. Dass Gerhard Rohde Geburtstag hatte, kam eigentlich nur heraus, weil Charlotte Oswald, seine Lebensgefährtin, es ansprach. Er selbst machte nie Aufhebens um persönliche Dinge. Wir wollten danach in die Opéra rübergehen, doch war und blieb unklar, ob die geplante Premiere stattfinden würde. Wieder einmal drohten Streiks.
Für Rohde war das ein Anlass, sich über den Kunstbetrieb und Frankreich im Allgemeinen und die Oper im Besonderen auszukotzen. Sei ja ohnehin eine unmögliche Kunstform, das Ganze, verschwurbelt und verrückt von Anfang an, wenn dann überhaupt nur ohne Szene zu ertragen. So brummelte und spottete er, zog destruktive Kreise. Dabei liebte er Frankreich und die Oper ganz besonders. Er fuhr mit dem Auto von Frankfurt nach Paris, um eine Aufführung zu erleben – und in der Nacht wieder zurück. Jahrzehnte ging das so. Er konnte sich einen Sommer ohne das Festival in Aix-en-Provence nicht vorstellen (so lange der intime Charakter erhalten blieb). Er wollte ...
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Opernwelt April 2015
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Stephan Mösch
Händel ist heute weltweit der populärste, meistgespielte Opernkomponist vor Mozart. Das zeigt sich Jahr für Jahr auch am enormen Publikumszuspruch bei den Internationalen Händel-Festspielen in Karlsruhe, die im 38. Jahr ihres Bestehens alle Verkaufsrekorde brachen. Die badische Metropole ist damit neben Göttingen und Halle zum dritten Zentrum der deutschen...
Gefängnisszenen kennt die Oper seit ihren barocken Anfängen, während das Straflager – allen im Totalitarismus angesiedelten «Fidelio»-Inszenierungen zum Trotz – ein Phänomen und Symbol der Moderne ist: Menschen werden anonymisiert, gequält, getötet oder für ihr Leben traumatisiert. Umberto Giordanos «Siberia» ist dafür ein eher konventionelles, der Schlussakt von...
Frau Schneider, wie kam es eigentlich zum Fachwechsel?
Das hat sich so ergeben, da bin ich reingewachsen. Ich dachte immer, ich singe die Königin, bis ich 50 bin ... Die Stimme hat sich allerdings anders entwickelt, und ich bin gottfroh darüber. Die Donna Anna in Stuttgart wollte ich damals adäquater singen, breiter, dicker im Ton. Das war der erste Schritt. Noch...
