Gesamtkunstwerk?
Händel ist heute weltweit der populärste, meistgespielte Opernkomponist vor Mozart. Das zeigt sich Jahr für Jahr auch am enormen Publikumszuspruch bei den Internationalen Händel-Festspielen in Karlsruhe, die im 38. Jahr ihres Bestehens alle Verkaufsrekorde brachen. Die badische Metropole ist damit neben Göttingen und Halle zum dritten Zentrum der deutschen Händel-Pflege geworden.
Neben einem Symposium – diesmal zum Thema «Bach – Telemann – Händel» –, hochkarätig besetzten Gesangs- und Instrumentalkursen, Konzerten der «Deutschen Händel-Solisten» und einem Gala-Abend mit Vesselina Kasarova, standen wie immer zwei Opern auf dem Programm, «Riccardo Primo» als Wiederaufnahme (siehe OW 4/2014) sowie als Neuinszenierung «Teseo».
Der selten gespielte, 1713 zu Beginn von Händels zweitem Londoner Aufenthalt entstandene «Teseo» ist in jeder Hinsicht ein Ausnahmewerk im Opernschaffen des Komponisten, weil er stofflich wie formal auf eine französische Tragédie lyrique, Philippe Quinaults «Thesée», zurückgeht, die 1675 mit der Musik Lullys uraufgeführt worden war. Im Endeffekt hat Händel trotz der beibehaltenen fünfaktigen französischen Form dann doch eine italienische Opera seria komponiert, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2015
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Uwe Schweikert
Gefängnisszenen kennt die Oper seit ihren barocken Anfängen, während das Straflager – allen im Totalitarismus angesiedelten «Fidelio»-Inszenierungen zum Trotz – ein Phänomen und Symbol der Moderne ist: Menschen werden anonymisiert, gequält, getötet oder für ihr Leben traumatisiert. Umberto Giordanos «Siberia» ist dafür ein eher konventionelles, der Schlussakt von...
An vier Abenden und vier verschiedenen Orten spielte das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg im September 2012 «Moses und Aron»: in der Berliner Philharmonie, im Kultur- und Kongresshaus Luzern, «zu Hause» im Konzerthaus Freiburg, schließlich im Palais de la Musique et des Congres Strasbourg. Die von Sylvain Cambreling, dem langjährigen Chefdirigenten...
Es war ein milder Spätssommertag, dieser 9. September. Wir saßen in einem Straßencafé an der Place de la Bastille. Skateboard-Fahrer knallten gegen die Betontrassen der Opéra, es roch nach Verkehr und süßen Crêpes. Dass Gerhard Rohde Geburtstag hatte, kam eigentlich nur heraus, weil Charlotte Oswald, seine Lebensgefährtin, es ansprach. Er selbst machte nie...
