Gesänge der Traurigkeit
Sein Name dürfte wohl nur Eingeweihten etwas sagen. Ennio Porrino spielte in der italienischen Musikszene zeitlebens keine besonders hervorgehobene Rolle. Über die Grenzen seines Heimatlandes hinaus erlangte nur das 1934 in Rom uraufgeführte, seiner sardischen Heimat zugeeignete symphonische Poem «Sardegna» eine gewisse Bedeutung; so nahm sich unter anderem der legendäre Leopold Stokowski dieses Werks an.
Porrinos Oper «I Shardana» sucht man vergebens auf den Spielplänen europäischer Opernhäuser, ebenso völlig im Dunkeln lag bislang das Liedschaffen dieses 1910 in Cagliari geborenen Komponisten.
Allein deswegen muss man das vorliegende Album, das den Titel von Porrinos gleichnamigem Zyklus trägt («I Canti dell ’Esilio»), als Gewinn einstufen. Im Kolorit erinnert vieles an die Lieder seines Lehrers Ottorino Respighi. Doch neigt Porrino, im erkennbaren Gegensatz zu Respighi, zu einer Simplizität der musikalischen Textur, die entfernt an die Werke eines Valentin Silvestrov oder Arvo Pärt gemahnen: Die Melodien sind von schlichter Eingängigkeit und Anmut (jedoch nicht zwingend Schönheit), die harmonischen Strukturen beinahe einfältig, naiv, kurz: überschaubar. Den tonalen Rahmen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Medien, Seite 40
von Olga Myschkina
Maurice Ravel hat für das Musiktheater nur zwei Einakter komponiert: «L’Heure espagnole», eine erotische Komödie von 1911, und das 1925 uraufgeführte Märchenstück «L’Enfant et les sortilèges». Am Pfalztheater Kaiserslautern sind beide Werke an einem Doppelabend zu erleben. Anja Kühnholds «L’Enfant»-Inszenierung beginnt inmitten eines absurden mathematischen...
Wer Neapel verstehen, seinen Duft einsaugen, sein genuines Flair erspüren will, sollte Elena Ferrante lesen. In ihren Romanen, insbesondere in der vierbändigen, dem literarischen Realismus verpflichteten «Neapolitanischen Saga», entwirft die pseudonyme italienische Autorin ein Panorama der süditalienischen Stadt, dessen Vielfarbigkeit schlichtweg betört; auch die...
Auf dem Stallerhof nachts um halb eins. Zwei Menschen treffen einander, im gegenseitigen Begehren. Nur sollten sie das, was sie tun, lieber nicht tun; der liebe Gott hat die Unkeuschheit behördlich untersagt und im sechsten seiner zehn Gebote unter strenge Strafe gestellt. Doch was tun, wenn das Verlangen größer ist als die Vernunft? Also geschieht seinesgleichen,...
