Schöner sterben
Es riecht. Mottenkugeln könnten das sein, doch die Nachbarn im Parkett sind’s bestimmt nicht, hier verströmt sich ja teures Parfum. Es muss wohl von vorn kommen: Es muffelt auf der Bühne. Dort, wo alles in heimeliges Sepialicht getaucht ist und eine Szenerie den ästhetischen Rücksturz in Opas Oper feiert. Alles 18. Jahrhundert: die Gehröcke der Herren mit den gewienerten Knöpfen, die gedrechselten Möbel, durchwegs historische Versatzstücke sind das.
Die Scala könnte hier auch «Andrea Chénier» spielen oder, man nehme nur die gestiefelte weibliche Hauptfigur, «Fidelio» – falls sie denn sparen wollte.
Wobei am 7. Dezember, dem Tag des Stadtheiligen Ambrogio, traditionell das Gegenteil von Mangelverwaltung gefeiert wird. Die Klunker-, Fliegen- und Botox-Dichte ist hoch bei der Inaugurazione. Im Erdgeschoss-Foyer, wo sich alles auf Stoff- bis Hautkontakt drängelt, machen zwei Drittel der drei Tenöre, Plácido Domingo und Jose Carreras, Rajna Kabaivanska eine Woche vor ihrem 90. Geburtstag die Aufwartung. In der Loge thront wieder die Senatorin und Holocaust-Überlebende Liliana Segre neben dem postfaschistischen Senatspräsidenten Ignazio La Russa. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hatte ...
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Opernwelt Februar 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Markus Thiel
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