Müde Recken

Ein Kurswechsel an der Oper von Krasnojarsk und eine nur halbwegs geglückte Aufführung von Alexander Borodins Operette «Bogatyri»

Krasnojarsk ist 3.500 Kilometer von Moskau entfernt und zählt mehr als eine Million Einwohner. Es liegt an den nördlichen Ausläufern des Ostsajan, eines Gebirges, dessen landschaftliche Schönheit einen Vergleich mit den Alpen nicht zu scheuen braucht, und am Ufer des Jenissej, den schon Anton Tschechow als schönsten Fluss Russlands bezeichnete. Gleichviel: Die Stadt hat ihr hässliches Gesicht aus sowjetischer Zeit noch nicht ganz abgelegt, und das, obwohl große, repräsentative Kulturoasen wie die Philharmonie und ein Museumszentrum entstanden.

Auch das öffentliche Leben der Stadt – Cafés, Restaurants, Bars und Klubs – zeigt absolut europäischen Standard, sowohl was ihr Design als auch, was die kulinarische Seite betrifft.

Das Operntheater wurde 1978 eröffnet und bot dem Publikum sofort zahlreiche Klassiker des Repertoires. Dass die Arbeiten junger, mutiger Regisseure in Krasnojarsk lange Zeit nicht gefragt waren, lag vor allem daran, dass vor 20 Jahren Sergei Bobrov, Tänzer und Choreograf aus Moskau, zum Künstlerischen Leiter von Ballett und Oper berufen wurde und seither den konservativen Kurs des Hauses bestimmte. Das Resultat waren anspruchslose, kitschig-süßliche ...

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Opernwelt April 2021
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Alexej Parin

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Impressum April 2021

62. Jahrgang, Nr 4
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

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