Schöne Fremde

Opera Rara präsentiert die erste Studioeinspielung von Bellinis «La straniera»

Opernwelt - Logo

Bereits zu ihrer Entstehungszeit wurde Vincenzo Bellinis vierte Oper «La straniera» kontrovers aufgenommen: Während das Drama um eine untergetauchte Franzosenkönigin («Die Fremde») den Geschmack des Publikums traf, das nach bizarren mittelalterlichen Schauergeschichten dürstete, bemängelten die Kritiker die Kurzatmigkeit der melodischen Empfindung.

Letzteres lag freilich durchaus in der Absicht des aufstrebenden Komponisten: Um das Diktat des Rossini-Stils abzuschütteln, bemühte sich Bellini um eine möglichst akribische Illustration des Librettos von Felice Romani – das konzertant-virtuose Element sollte einer stärkeren psychologischen Plastizität der Charaktere weichen, die Arien soweit als möglich in den dramatischen Zusammenhang eingebunden werden. Dabei tat der 28-Jährige des Guten allerdings etwas zu viel: Die verhakelten Ensembleszenen entwickeln mit ihren häufigen Rhythmuswechseln nicht die Zugkraft, die Bellini schon ein Jahr darauf mit seiner Romeo-und-Julia-Oper «I Capuleti e i Montecchi» erreichte, und bis auf wenige Ausnahmen (wie die Bariton-Arie «Meco tu vieni» im zweiten Akt) fehlen die großen Bellini-Kantilenen, die die emotionalen Extremsituationen der hanebüchenen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2008
Rubrik: Medien/CDs, Seite 29
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Understatement

Luigi Dallapiccolas Kurzoper «Il prigioniero» («Der Gefangene»), 1944 unter dem Eindruck des italienischen Faschismus begonnen und 1949 (unter der Leitung Hermann Scherchens) in Turin uraufgeführt, ist neuerdings wieder häufig auf den Spielplänen zu finden. Zuletzt stand das von melismatisch-expressiver Italianità durchsetzte Zwölftonopus in Paris zur Diskussion...

Nights at the Opera

Musikalisch, stilistisch und dramatisch hat Puccini in «Il trittico» drei verschiedene, in sich schlüssige Welten entworfen. Jeder dieser Ein­akter könnte auch ohne die beiden anderen bestehen. Ein Haus, das alle Stücke an einem Abend zeigt, lässt sich so auf eine künstlerische Herausforderung ein, die der einer «Ring»-In­szenierung kaum nachsteht. In Los Angeles...

Obsession

Vor fünf Jahren bescherte Kent Nagano Berlin an der Lindenoper eine neue «Turandot», die nicht nur aufhorchen ließ, weil das damals noch druckfrische Finale Luciano Berios auf den Notenpulten lag, sondern auch wegen ihres gehärteten, gleichsam trockeneisgekühlten Klangbildes (siehe OW 11/2003). Puccini, der Meister des molto cantabile hatte ausgedient, hier galt...